„Baywatch“: Weil heutzutage alles möglich ist

KRITIK | Emojis, Battleship, Transformers: Wir leben in einer Zeit, in der Kino keine Grenzen kennt. Und weil der Boom der Serien-Reboots auch gerade seine Hochzeit erlebt, gibt es wohl nur einen richtigen Zeitpunkt, um auch Baywatch ins Kino zu bringen – und zwar jetzt. Kreativ oder gar anspruchsvoll ist das nicht, aber ist ja auch egal, solange man der (bedingt wertvollen) Vorlage gerecht wird. Oder?

KRITIK

Es gibt nichts, was es nicht gibt – das trifft mittlerweile auch auf die Hollywood’sche Filmlandschaft zu. Ich meine, wenn Spielzeug auf der Leinwand zum Leben erweckt wird und so regelmäßig Milliarden in die Kassen spült (Transformers) und selbst Emojis ihren eigenen Film bekommen, warum nicht auch Baywatch? Gut, es ist ja nicht der erste Film rund um die je nach Geschlecht großbusigen oder muskelbepackten Rettungsschwimmer – zweifelsohne aber die erste Großproduktion, die es mit namhaften Darstellern in die weltweiten Kinos geschafft hat. Warum auch nicht. Serien-Adaptionen in Spielfilmform haben in den letzten Jahren ja immer wieder funktioniert – etwa mit Get SmartCodename U.N.C.L.E.Das A-Team oder 21 Jump Street. Wenn ein Baywatch-Film also jemals eine Daseinsberechtigung haben könnte, dann vermutlich jetzt.

Testosteron-getränkter Infantilismus 

Mal ganz unter uns: Wir Jugendlichen aus der Baywatch-Zeit haben die Serie sicher nicht eifrig verfolgt, weil sie so hervorragend geschrieben, authentisch inszeniert oder gut gespielt war. Es war simple, unschuldige Unterhaltung, die sich bestens zu Berieselungszwecken eignete. Und ja, für manch 13-Jährigen aus der Prä-Internet-Ära dürfte die Serie auch noch andere Zwecke erfüllt haben. Brüste bekam man natürlich keine zu sehen, also, nicht so richtig. Aber es waren nun mal andere Zeiten, in denen bereits die Andeutung dessen genügte, was sich unter den knappen Bikinis der vollbusigen Badenixen verbarg. Aber auch wenn Baywatch cheesy as hell war und nie allzu großen Anspruch an sein Publikum stellte, die Serie tanzte nie den berühmt-berüchtigen Niveau-Limbo – ganz im Gegensatz zum Film.

Von eingeklemmten Penissen bis zu sprechenden Hoden: Wenn es um sexualisierten Humor geht, kennt Baywatch keine Grenzen. Das sorgt einerseits für schrecklich peinliche Momente, die gar nicht schnell genug vorbeigehen können, macht hier und da aber nicht nur tatsächlich Spaß, sondern auch tatsächlich Sinn (wenn man sich drauf einlässt). Denn gerade so spielt der Film eben auf seine vor Kitsch triefende Vorlage an, auf die ach so theatralischen Zeitlupen oder die Inszenierung der weiblichen Reize. Und glücklicherweise nimmt sich Baywatch selbst zu keiner Zeit richtig Ernst. Das heißt zwar nicht, dass alle Gags zünden – und, mein Gott, das tun sie bei Weitem nicht -, hier und da funktioniert der Film aber vor allem, weil er sich nicht nur als Reboot, sondern ein stückweit auch als Parodie versteht.

Die Selbstinszenierung der sexgöttlichen Darstellerriege mag von Anfang an auf die Nerven gehen, gehört letzten Endes aber nun mal zum Konzept des Films. Und wer sich mit diesem Gedanken anfreunden kann, kann vielleicht sogar darüber lachen. Wer hingegen eine Aversion gegen selbstverliebte Überinszenierung hat, tut wohl gut daran, eine Kotztüte bereitzuhalten.

Originalgetreu

Inhaltlich ist Baywatch, welch Überraschung, nicht der große Wurf. Und das muss er auch nicht sein. Das Format stand stets für kurzweilige Montagnachmittag-Abenteuer, nicht für anspruchsvolle, ausgeklügelte Unterhaltung. Hat man im Anschluss auch gleich wieder vergessen, worum’s in der Episode gerade eben noch ging, war das halb so wild. Hauptsache war, dass während dem Schauen keine Langeweile aufkam – und dazu waren weder große Schauspielkunst noch kreative Drehbücher nötig. Und auch wenn das Leinwand-Reboot nicht nur deutlich mehr Budget, sondern zweifelsohne auch die besseren Schauspieler zur Verfügung hatte, macht sich Baywatch jenen Charakter auch im Kino zu eigen.

Die Geschichte ist ebenso einfallslos wie vorhersehbar, erfüllt genau so aber auch ihren Zweck. Wer also kurz mal das stille Örtchen aufsuchen, Smalltalk führen oder seine Social Media-Kanäle auf wichtige und weniger wichtige Neuigkeiten checken möchte, kann das ruhigen Gewissens tun, ohne etwas zu verpassen. Immerhin fällt nichts leichter als der Wiedereinstieg in eine Geschichte, von der man ohnehin weiß, wie sie ausgeht. Allzu einfallsreich ist das zwar nicht, aber muss der Film das überhaupt sein, wenn’s schon die Vorlage nicht war? Oder wollen Baywatch-Fans nicht genau das, was einst auch das TV-Format ausgemacht hat?

Meiner Meinung nach muss ein Film immer für sich allein stehen können, egal ob er auf einer Fernsehserie oder einem Buch basiert – aber das sieht jeder anders. So oder so, vor allem inhaltlich fühlt sich das Leinwanddebüt von Mitch Buchanan & Co letzten Endes tatsächlich wie eine weitere, exorbitant aufgeblasene Episode der guten, alten Fernsehserie an.

What you see is what you get

Baywatch hält keinerlei Überraschungen bereit und ist das, was auch schon der Trailer vermuten ließ – ein infantiles, oberflächliches Reboot einer kitschigen 90er Jahre-Serie. Glücklicherweise ist das den Machern aber auch stets bewusst. Inmitten einer wahren Schar an Peinlichkeiten gibt es in Baywatch also auch immer wieder Momente, in denen das Konzept des Films tatsächlich aufgeht.

Letzten Endes ist Baywatch einer dieser Filme, die es darauf anlegen, schlecht zu sein – eben auch um der bedingt zeitlosen Vorlage gerecht zu werden. Das gelingt mal ganz gut, mal weniger und lässt Baywatch zu gleichen Teilen als Reboot und Persiflage erscheinen. Ob der Film aber nun gut, schlecht oder so schlecht ist, dass er schon wieder gut ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

4,5/10

AUF GUAT DEITSCH

Baywatch is imma no di geilste Serie, de’s jemols gebn hot? The Rock is da anzige Schauspülla, der no mehr drauf hot als Zac Efron? Ihr kriagts von Tepf und Pimperln nie genug? Dann nix wie ins Kino mit eich, des is eia Füm!

Wenn ihrn Trailer zum Füm net scho scheisse gfundn hobts, dann dürft eich a da Füm daugn. Bis auf di ganzn Sex-Witz is der nämli genau des, wos Baywatch scho imma woa – oberflächlich, oba holbwegs untahoitsam.

Darum geht’s: In der heiß erwarteten Kinoactionkomödie BAYWATCH geht es um den engagierten Rettungsschwimmer Mitch Buchannon (Dwayne Johnson) und sein Kräftemessen mit einem etwas zu stürmischen neuen Rekruten (Zac Efron). Als die beiden auf diverse kriminelle Machenschaften stoßen, müssen sie sich zusammenraufen, um die Zukunft ihres Strands zu schützen.

Des gibt’s zum wissn:

#1: Das Produktionsbudget von Baywatch lag bei 69 Mio. US-Dollar.

#2: Dwayne Johnson gibt Zac Efron im Laufe des Films zahlreiche Spitznamen, die ihm allesamt Efron selbst vorgeschlagen hat.

#3: Dwayne Johnson ist der zehnte (ehemalige) Wrestler, der Baywatch in seinen Lebenslauf aufnehmen kann. In der TV-Serie gaben sich bereits neun andere die Ehre – etwa Hulk Hogan oder Randy Savage -, wenn auch nur in Form kurzer Gastauftritte.

#4: Im Dezember 2016 verschob Paramount den Kinostart des Films um eine Woche, um Baywatch nicht gleichzeitig mit Alien: Covenant ins Rennen zu schicken. Ob die beiden Filme aber wirklich dieselbe Zielgruppe ansprechen? Alleine aufgrund ihres R-Ratings vermutlich tatsächlich. Also, irgendwie.

#5: Für die Rolle von Summer (gespielt von Alexandra Daddario) waren u.a. auch Nina Dobrev und Ashley Benson im Gespräch.

#6 (Spoiler!): David Hasselhoff feiert einen Cameo im Film und dient seinem Nachfolger, dem neuen Mitch Buchanan, als wegweisender Mentor.

#7 (Spoiler!): Auch Pamela Anderson lässt sich am Ende des Films kurz blicken. Sie hat zwar keinen Sprechtext, kündigt mit ihrem Slow-Mo-Auftritt aber immerhin eine Fortsetzung an. Ob die aber auch tatsächlich kommen wird? Mal abwarten.

Wenn da Baywatch taugt, dann vielleicht a…

Ganz ehrlich? Wem Baywatch richtig, richtig gut gefällt, dem kann wirklich jeder Film gefallen. Tatsächlich hat mich der Film aber durchaus an Filme erinnert, die in eine ähnliche Richtung gehen und mir – eben für das, was sie nun mal sind – ganz gut gefallen haben. Gut, in Into the Blue sind’s keine Rettungsschwimmer, die es mit der Drogenmafia zu tun bekommen, sondern Taucher. Ist trotzdem mehr oder weniger dasselbe. Auch Ein Schatz zum Verlieben schlägt in eine ähnliche Kerbe – und ist vielmehr ein kleines, nettes Abenteuer, das Urlaubsfeeling versprüht, als die kitschige Romanze, die der deutsche Titel verspricht.

DVD/Blu-ray

Baywatch erscheint voraussichtlich auf DVD und Blu-ray, eine 4K-Auswertung wurde für den deutschsprachigen Markt bislang nicht angekündigt. Der Erscheinungstermin ist derzeit noch unbekannt, wird aber wohl voraussichtlich im kommenden Spätherbst liegen. Mein Tipp: November 2017.

Spoiler Buff

Wie bitte schaut’n Pamela Anderson mittlerweile aus?! Illusionen aus meiner Jugend? Zerstört. Für immer.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s