„Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“: Jack Sparrow ist wieder auf Kurs

KRITIK | Anker lichten, Segel setzen, volle Fahrt voraus: Wer „Fluch der Karibik“ nach dem vierten Teil bereits abgeschrieben hat, tut gut daran, Jack Sparrows neuestem Abenteuer dennoch eine Chance zu geben. Denn mit Pirates of the Caribbean: Salazars Rache verhindert Walt Disney nicht nur den endgültigen Schiffbruch der Reihe, sondern bringt die Piratensaga auch endlich wieder auf Kurs.

KRITIK

Immer wieder musste ich hören, dass die Zeit für Pirates of the Caribbean: Salazars Rache abgelaufen sei. Jack Sparrows Zug wäre langst abgefahren und in Vergessenheit geraten – stimmt, genau davon profitiert der Film letzten Endes aber auch irgendwie. Denn man hat gut daran getan, Abstand zu den durchwachsenen Vorgängern zu halten und genügend Zeit verstreichen zu lassen, um Am Ende der Welt und Fremde Gezeiten zu verdauen und ja, vielleicht auch ein Stück weit zu verdrängen. Ich war jedenfalls bereit für die Rückkehr von Jack Sparrow und spürte schon fast so etwas wie Zuversicht – vielleicht würde die Reihe nicht nur zu alter Stärke finden, sondern mit Salazars Rache sogar so etwas wie einen Neustart hinlegen.

Vom Captain zum Kasperl

Fluch der Karibik zählt zu den wohl besten Abenteuerfilmen, die die 2000er zu bieten hatten – und das nicht zuletzt aufgrund von Captain Jack Sparrow, dessen Treiben als Hochsee-Ganove nicht nur von übermäßigem Rum-Konsum und rotzfrechen Blödeleien geprägt ist, sondern allen voran von todesmutigen Aktionen, mit denen er seinen Kopf immer wieder auf spektakuläre Art und Weise aus der Schlinge zieht. Der Kapitän der sagenumwobenen Black Pearl war nicht nur schlagfertig und ungeniert, sondern wusste irgendwie auch immer die richtigen Hebel in Bewegung zu setzen, um an sein Ziel zu gelangen – das war zumindest einmal so.

Er galt schon immer als „schlechtester Pirat“, von dem man jemals gehört hat (aber man hat von ihm gehört!). Trotz seiner schrullig-verschrobenen Persona war Jack Sparrow aber stets soweit Herr seiner Sinne, um seine Gegenüber spielerisch an der Nase herumzuführen. In Salazars Rache ist davon allerdings nicht mehr allzu viel übrig. Alles, was der allseits beliebte Trunkenbold in seinem fünften Abenteuer bewältigt, gelingt ihm eher zufällig, fast schon beiläufig, während er sich mit Slapstick-haften Witzeleien über Wasser hält. Das klappt über weite Strecken auch sehr gut, nimmt dem ehrwürdigen Jack Sparrow letzten Endes aber auch ein wenig den Heldencharakter. Ein (guter) Fluch der Karibik-Film hängt zum Glück aber nicht bloß von Johnny Depps immergleicher, freilich souveräner Selbstinszenierung ab. Schon gar nicht, wenn eine neue Heldengarde in den Startlöchern steht…

Alles auf Anfang

Nachdem Fremde Gezeiten für mich weder Teil der ersten Trilogie war noch einen Neuanfang darstellte, bringt Salazars Rache gleich beides unter einen Hut. Denn während sich der Kreis, den Will Turner & Co vor zehn Jahren zogen, langsam schließt, wird gleichzeitig auch Platz für neue Figuren und deren Geschichte gemacht – und die bekommt mindestens so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie der ulkige Pirat mit Eyeliner-Faible.

Kaya Scodelario und Brenton Thwaites kennt man bereits aus Filmen wie Maze Runner oder Hüter der Erinnerung und waren bis dato nicht mehr als klassischer Hollywood-Nachwuchs, der die Chance bekommt, sich zu beweisen – und genau diese nutzen die beiden nun als Nachkömmlinge von William Turner und Elizabeth Swan. Frech, charmant und selbstbewusst übernehmen sie das Ruder der alteingesessenen Kapitäne und manövrieren das Franchise in eine vielversprechende Richtung, wie ich es nach dem vierten Kapitel kaum für möglich gehalten hätte.

Erwartungsgemäß überragend ist Javier Bardem, dessen Salazar uns daran erinnert, dass die heitere Piratenbande, auf deren Seite wir uns bereits vor Jahren geschlagen haben, eigentlich die Bösen sind, Tunichtgute und Gauner, Diebe und Mörder. Ja, das fünfte Kapitel der Piratensaga beweist einmal mehr, dass die überzeugendsten Schurken – oder als solche Inszenierte – diejenigen sind, deren Tun nicht nur Hand und Fuß hat, sondern auch Sinn macht. Abgesehen davon stellt die vermeintlich böse Geister-Crew der Wicked Wench auch eines der visuellen Highlights des Films dar.

Mit alter Methode zu neuer Stärke

Salazars Rache beginnt düster – so düster, wie Fluch der Karibik seit dem Einstieg des ersten Films nicht mehr war. Einer nach dem anderen wird abgemurkst, Tageslicht gibt es vorerst auch keines zu sehen und dann ist da auch noch diese finstere Geschichte, die trotz des Franchise-typischen Humors keineswegs zu belächeln ist. Ja, der Film reißt einen von Beginn an regelrecht mit, was nicht zuletzt auch an seiner schaurigen Atmosphäre liegt – gedankt sei’s nicht nur den Schauspielern, sondern auch dem famosen Design sowie einem harmonischen Zusammenspiel aus Sets und digitalen Effekten.

Das stilistische Konzept des Films ist schlichtweg umwerfend und in jeder noch so scheinbar unbedeutenden Szene präsent. Jene ungemeine Liebe zum Detail rückt lediglich dann in den Hintergrund, wenn der Film in die CGI-Trickkiste greift – und wenn er erst einmal zum Schlag ausholt, dann auch so, dass einem die Kinnlade runterfällt. Neben all den kleinen Spielereien wie Schusswechsel oder Verfolgungen reichen zwei, drei große Actionszenen, um sich später gerne an den Film zurück zu erinnern. Vollgepackt mit spannenden Elementen, die so entweder noch nie eingesetzt oder zumindest auf einfallsreiche Weise neu interpretiert wurden – von einer Fast & Furious-Sequenz bis hin zu Geister-Haien, die endgültig den Sprung vom billigen Monster-Trash nach Hollywood geschafft haben -, haben gerade jene bombastischen Sequenzen einen wahnsinnigen Drive, den der Film immer wieder aufschnappt. Einziger Wehrmutstropfen neben einer Handvoll animierter Elemente, die mir dann doch etwas zu offensichtlich aus dem Computer kommen: Meiner Meinung nach ist die erste Actionszene auch die beste. Wenn der Film also auch nie wirklich nachlässt, kann er sich bis zu seinem schmalzigen Ende hin auch kaum steigern.

Wieder auf Kurs gebracht

Filme, die schon im Vorfeld mit budgetären Engpässen und nicht verfügbaren Wunsch-Schauspielern zu kämpfen haben und in weiterer Folge ein ums andere Mal verschoben werden, verheißen zumeist nichts Gutes. Pirates of the Caribbean: Salazars Rache ist glücklicherweise die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Die alte Garde dankt langsam ab und macht Platz für die Piratengeneration 2.0 – und das funktioniert ganz hervorragend. Während Johnny Depp vor allem für Lacher sorgen soll, erinnert Salazars Rache aber gerade in seinen düsteren Momenten an den allerersten Fluch der Karibik-Film. Dabei schlägt das fünfte Kapitel nicht nur eine Brücke zum Beginn der Saga, sondern holt sogar noch ein Stück weiter aus und setzt die Geschichte packend fort, indem er in die Vergangenheit blickt. Hört sich wirr an, wurde letztlich aber ganz wunderbar umgesetzt. An die CGI-Facelifts Hollywoods kann ich mich allerdings nur schwer gewöhnen.

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache bringt Walt Disneys Abenteuer-Saga wieder auf Kurs und ist meiner Meinung nach ganz zweifellos die beste Fluch der Karibik-Fortsetzung, die man uns bisher aufgetischt hat. Aber wer weiß, was noch kommt? In einer Zeit, in der jedes noch so hirnlose, aber erfolgreiche Format bis zum Gehtnichtmehr ausgeschlachtet wird, gelingt Salazars Rache jedenfalls das Unmögliche – er macht tatsächlich Lust auf (noch) mehr.

7,5/10

AUF GUAT DEITSCH

So a liaba, guada, oida Piratenfüm. Net sowos wie Captain Phillips wo’s eich anscheißts, wals in da Wöd (mehr oda weniga) wirkli so zuageht. Na, afoch nur a liabs Obnteia, des net nur vü Fantasie mitbringt und Spaß mocht, sondan an a wirkli mitnimmt. Kloa, Oscar wird er kan gwinnan – oda vielleicht doch? die Effekte san scho net bled -, aber für an fünftn Teil von am Hollywood-Franchise is Pirates of the Caribbean: Salazars Rache afoch guat. Kann ma net anders sogn.

Eich hot da erste Fluch der Karibik daugt, oba danoch is afoch nur oam wurdn? Wurscht, gebt’s eich Salazars Rache trotzdem. Der Füm mocht afoch ois besser, wos Am Ende der Welt und Fremde Gezeiten vaschissn hobn. Geht’s ins Kino – und wer was, vielleicht kummt dann jo wirkli no a Teil (beobsichtigt is jo). I würd mi jednfolls gfrein.

Darum geht’s: In PIRATES OF THE CARIBBEAN: SALAZARS RACHE weht dem vom Glück verlassenen Captain Jack Sparrow eine steife Brise des Missgeschicks entgegen, als tödliche Seemänner aus der Schattenwelt, angeführt vom furchterregenden Captain Salazar, dem Teufelsdreieck entkommen und nur ein Ziel kennen: jeden Piraten auf offener See zu töten, insbesondere Jack. Seine einzige Überlebenshoffnung ist der legendäre Dreizack des Poseidon. Um diesen jedoch zu finden, muss er eine wenig behagliche Allianz mit der brillanten und hübschen Sternenforscherin Carina Smyth und dem eigensinnigen, jungen Royal-Navy-Seemann Henry eingehen. Am Steuer der Dying Gull, seines jämmerlich kleinen und schäbigen Schiffs, versucht Captain Jack, nicht nur seine jüngste Flut von Missgeschicken rückgängig zu machen, sondern sein eigenes Leben vor dem eindrucksvollsten und bösartigsten Feind, dem er jemals gegenüberstand, zu retten.

Des gibt’s zum wissn:

#1: Der Bösewicht hieß ursprünglich Captain Brand und sollte von Christoph Waltz gespielt werden, der die Rolle aufgrund anderweitiger Dreharbeiten nicht annehmen konnte. Waltz, der den Bond-Bösewicht in Skyfall gab, wurde schließlich durch seinen Nachfolger aus Spectre ersetzt – Javier Bardem. Der Name des Schurken sowie der Filmtitel wurde schließlich angepasst und in Salazar geändert.

#2: Captain Jack Sparrows Vater wurde von einem Rolling Stone gespielt (Keith Richards), sein Onkel von einem Beatle (Paul McCartney).

#3: Der Film sollte ursprünglich bereits 2015 ins Kino kommen, wurde aufgrund von Budget- und Drehbuch-Unstimmigkeiten aber verschoben. Die Produktionskosten des Films wuchsen so auf 350 Mio. US-Dollar.

#4: Der Originaltitel des Films lautet Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell no Tales. Dennoch erscheint der Film in vielen (auch englischsprachigen) Ländern mit dem Titel Salazars Revenge.

#5: Salazars Rache ist der erste Fluch der Karibik-Film, bei dem Hans Zimmer nicht für die musikalische Untermalung verantwortlich zeichnete.

#6: Auch Ansel Elgort (Das Schicksal ist ein mieser Verräter) und Taron Egerton (Kingsman: The Secret Service) wurden für die Rolle von Henry in Betracht gezogen.

#7: Javier Bardem tritt mit seinem Part in Salazars Rache quasi in die Fußstapfen seiner Ehefrau Penelope Cruz, die bereits im vierten Teil mit von der Partie war.

#8: Es gibt eine Abspannszene – also, sitzenbleiben!

#9: Joachim Rønning und Espen Sandberg sind nicht die ersten Norweger, die einen Piratenfilm für Walt Disney inszenierten. Sie folgen Nils Gaup und dessen Gestrandet aus dem Jahr 1991.

#10: Juan Carlos Vellido ist der einzige Darsteller, der in zwei verschiedenen Fluch der Karibik-Filmen unterschiedliche Charaktere gespielt hat. In Fremde Gezeiten war er noch ein spanischer Kapitän, in Salazars Rache fungiert er als Leutnant Lesaro an der Seite des titelgebenden Bösewichts.

#11 (Spoiler-Fakt!): Die Köpfe, die im Korb unter der Guillotine liegen, sind Nachbildungen der beiden Regisseure des Films, Joachim Rønning und Espen Sandberg.

#12 (Spoiler-Fakt!): Die Abspannszene kündigt die Rückkehr von Davy Jones an – dem Schurken aus Fluch der Karibik 2 und 3.

Wenn da Pirates of the Caribbean: Salazars Rache taugt, dann vielleicht a…

…die Vorgänger. Während ich den ersten Teil aber zu meinen liebsten Abenteuerfilmen zähle, fällt die Reihe bis Teil 4 merklich ab. Vor allem Am Ende der Welt und Fremde Gezeiten machen deutlich mehr falsch als richtig. Bevor ich mir die noch einmal ansehe, gebe ich weiß Gott lieber Piraten-Klassikern wie HookDie Piratenbraut oder auch Die Goonies den Vorrang.

In eine ähnliche Kerbe schlagen für mich außerdem kurzweilige Abenteuer wie Ritter aus LeidenschaftDer Mann in der eisernen Maske oder auch Die Maske des Zorro. Gore Verbinskis Lone Ranger hat zwar ebenfalls große Gemeinsamkeiten mit der Sparrow-Saga, funktioniert allerdings bei weitem nicht so gut.

DVD/Blu-ray

Walt Disney veröffentlicht Pirates of the Caribbean: Salazars Rache auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray. Mit Letzterer schlägt nun auch das Piraten-Franchise Marvel-Pfade ein. Die 3D-Version von Jack Sparrows jüngstem Abenteuer erscheint hierzulande nämlich im Steelbook.

Spoiler Buff

Spannend, spannend. Zugegeben, ich wusste vorab noch nicht einmal, dass Orlando Bloom und Keira Knightley wieder mit dabei sind – konnte aber vor allem Bloom erstaunlich viel abgewinnen. In seiner Szene zu Beginn hätte ich ihn beinahe nicht erkannt, weshalb ich dem Einstieg der Geschichte wohl auch so viel abgewinnen konnte. Knightleys Auftritt ist ja ein vergleichsweise kurzer Gastauftritt, den man sich fürs schnulzige Finale aufgespart hat. Dessen Sinn und Intention sind mir zwar durchaus bewusst, dennoch war mir die Sonnenuntergangsromantik dann doch viel zu kitschig.

Zur CGI-Fratze des jungen Jack Sparrow: Ja, in Fällen wie diesen machen derartige Computeranimationen zwar durchaus Sinn, dennoch weiß ich nach wie vor nicht, was ich davon halten soll, dass man leibhaftige Darsteller inzwischen mittels CGI „nachbauen“ kann. Gerade in den letzten Jahren hat die Technik diesbezüglich wahnsinnige Fortschritte gemacht, sodass Gesichter auch tatsächlich täuschend echt aussehen – nicht umsonst wird jene Technik immer häufiger angewandt. Dennoch fühlt sich’s ganz einfach nicht echt an und hat für mich einen ähnlichen Effekt, wie digital eingefügte Blutspritzer, die die guten, alten Bloodpacks leider nach und nach verdrängt haben.

Meine Lieblingsszenen sind übrigens die Guillotinen-Sequenz, die schon wieder so überzogen ist, dass sie an klassisches Slapstick-Kino erinnert (und das liebe ich ja abgöttisch) sowie der Bankraub zu Beginn, der zwar an Fast Five erinnert, in Sachen Kreativität dann aber doch noch eine Schippe drauflegt. Dass mittlerweile aber jeder Hollywood-Film eine Abspannszene braucht, um bei finanziellem Erfolg gleich einen potentiellen Nachfolger angekündigt zu haben, ist ein Trend, dem ich nicht allzu viel abgewinnen kann.

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