„xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“: Macho-Mash-Up mit Kalkül

KRITIK |Wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich sagen, ich hab‘ gerade einen „Fast & Furious“-Film aus einem Paralleluniversum gesehen. Nur schade, dass xXx: Die Rückkehr des Xander Cage so sehr versucht, auf den Franchise-Zug aufzuspringen, dass er darauf vergisst, auf eigenen Beinen zu stehen. Gut kopiert ist besser als schlecht erfunden, aber wie sieht’s denn mit schlecht kopiert aus?

KRITIK

Es war kurz nach der Jahrtausendwende. Vin Diesel hatte gerade seine erste große Titelrolle bekommen (Pitch Black) und feierte mit The Fast and the Furious kurz darauf endgültig seinen Durchbruch als Badass. Nahezu direkt im Anschluss folgte mit xXx – Triple X auch gleich der dritte Film im Bunde, mit dem sich der glatzköpfige Kalifornier langfristig in Hollywood etablieren sollte. Dass jene Formate Jahre später allesamt zu mehr oder weniger erfolgreichen Franchises heranwachsen, hätte damals wohl niemand für möglich gehalten. Dabei ist es doch eigentlich naheliegend, das begrenzte Schauspielrepertoire des irgendwie doch charismatischen Diesel gerade dort einzusetzen, wo es am meisten (Kohle) bringt. Und so stehen wir heute da und müssen uns fragen: Genügt nun ein Fast & Furious-Franchise nicht mehr, um uns alle paar Jahre daran zu erinnern, dass Vin Diesel eine coole Sau ist, um die sich die ganze Frauenwelt reißt? Dass es immer noch ein paar Klischees gibt, die er noch nicht ausgeschlachtet hat und dass eindimensionale Charaktere in seinen Filmen ebenso unerlässlich sind wie überzogene Actionszenen? Nein, offensichtlich nicht. Willkommen zur Vin Diesel Show!

Der erste Eindruck: Macht Lust auf mehr!

Hat man seine Erwartungshaltung erst einmal dem angepasst, wofür xXx nun einmal steht, könnte einem während des Vorspanns fast das Wasser im Mund zusammenlaufen. Denn neben Vin Diesel und Samuel L. Jackson sind dieses Mal auch Kampfsport-Asse wie Donnie Yen und Tony Jaa mit von der Partie. Die weibliche Besatzung rund um Nina Dobrev, Ruby Rose und Deepika Padukone verspricht ebenfalls so einiges – vor allem aber ein wenig Eye Candy, um die knallharten, Sprüche klopfenden Kerle zu bespaßen, wenn sie nicht gerade die Welt retten. Oder so. Ach ja, und Toni Collette ist auch dabei, warum auch immer.

Jeder von ihnen bekommt zum Einstieg eine kleine Szene spendiert – und das fühlt sich beinahe so an, als würde man einen Pokemon nach dem anderen vorgestellt bekommen: Donnie Yen, auf den Diesels übermenschliche Fähigkeiten scheinbar abgefärbt haben, Tony Jaa, dessen abgedrehter Charakter optisch an Tekken & Co erinnert, Ruby Rose, der Badass mit dem guten Herzen oder die bezaubernde Nina Dobrev als vermeintlich hässliches Entlein mit einer Vorliebe für technische Spielereien (und Xander Cage). Und dann ist da noch Toni Collette, die offensichtlich einmal in ihrem Leben einen Bond-Schurken spielen wollte und sich letzten Endes mit xXx anstatt mit 007 herumärgern muss. Sie alle verkörpern die generische Fleischwerdung eindimensionaler Charaktere, die dieses Franchise letzten Endes zu dem macht, was es ist. Und das funktioniert anfangs eigentlich ganz gut…

Jede der Figuren, die für den „Plot“ (nennen wir’s mal so) von Bedeutung sind, bekommt einen markanten Einstieg in den Film, mit dem man sie sich fortan ins Gedächtnis ruft, wenn sie drohen, in Vergessenheit zu geraten. Sie mögen keine Emotionen wecken, altbackene One-Liner von sich geben und stets genau das tun, was man ihnen erwartet. Aber sie haben Gesichter, die einem zumindest nicht entfallen, bevor der Film zu Ende ist – dank sei auch den Make-Up-Künstlern und Kostümdesignern, die hier besonders dick auftragen durften.

The Fast and the Franchise

Die Rückkehr des Xander Cage macht Spaß, wenn er sich selbst nicht zu ernst nimmt. So häufen sich im Laufe des Films die mal verhältnismäßig stilvoll versteckten, mal schrecklich offensichtlichen Anspielungen auf Xander Cages ersten Auftritt aus dem Jahr 2002. Vom Härtetest zu Beginn, den er freilich spielerisch besteht über seinen Zuhälter-Mantel aus der Macklemore-Gaderobe bis hin zum vor PS strotzenden GTO – Teil 1 wurde aufgewärmt, wo es nur ging und feiert seinen machohaften Höhepunkt, wenn sich Cage den „Dingen“ hingibt, die er für sein Land tut. In allerbester Sequel-Manier hat man es sich hier natürlich nämlich nicht nehmen lassen, das Original auch in Sachen Frauenverschleiß in den Schatten zu stellen (oder es zumindest zu versuchen).

Da ein paar nette Ideen aber noch keinen Film machen – schon gar keinen guten -, sehnt man sich schon bald nach etwas mehr Substanz oder, wenn das etwas zu viel verlangt ist, zumindest nach spektakulären, witzigen oder in irgendeiner anderen Art und Weise originellen Szenen. Dabei fühlt sich Die Rückkehr des Xander Cage trotz unzähliger Seitenhiebe auf das Original eigentlich aber viel mehr wie ein neuer Fast & Furious an, der in einem Paralleluniversum spielt. Vin Diesel wird wieder mal vom geheimsten, härtesten und überhaupt tollsten Geheimdienst rekrutiert, um die Welt zu retten – und erlangt dabei nicht nur scheinbar übermenschliche Fähigkeiten, sondern darf sich außerdem auch sein ethisch korrektes Team aus kriminellen Badasses zusammenstellen. Kurz noch einen McGuffin ins Spiel bringen, um dem Publikum vorzugaukeln, dass man tatsächlich eine Geschichte zu erzählen hätte… voilà. Fertig ist der Franchise-Klon.

Übrigens, selbst die Avengers werden nicht verschont. Kein Wunder, immerhin wäre es ja Verschwendung, wenn man nichts daraus machen würde, wenn Samuel L. Jackson doch schon fast in derselben Rolle an Bord ist, in der er auch im Marvel Cinematic Universe zu sehen ist. Ja, selbst die wenigen Minuten, die er in xXx 3 hat, stehen ganz im Zeichen von Nick Fury und haben letztendlich sogar mehr mit dem MCU als mit Triple X gemein. Was den Film aber sowohl mit Fast & Furious als auch mit dem MCU verbindet – er legt es ganz bewusst darauf an, keinen Schlussstrich zu ziehen, sondern weitere Abenteuer folgen zu lassen.

Effekthascherei

Das Actionkino der 80er lebt. Und ich steh‘ drauf – auf geradlinige Kracher wie The Raid oder Hardcore, Rachesagen á la 96 Hours oder John Wick und spitzzüngige Helden wie Deadpool oder die Bad Boys. Mit einer klassischen, schon hundertmal dagewesenen Story legt es auch xXx: Die Rückkehr des Xander Cage darauf an, jener Riege an Filmen anzugehören – außerdem ist da noch Vin Diesel, dessen Statur gepaart mit seinem Talent ohnehin besser in die 80er passen würde. Doch während der Film inhaltlich an seiner Antriebslosigkeit scheitert, gerät auch die Action immer wieder gehörig ins Stocken.

Vin Diesels spektakuläre Einlagen leben einerseits von seinem soliden Stuntdouble und andererseits von unsäglich aufdringlichen CGIs, die den Eindruck erwecken, bereits in den 90ern generiert worden zu sein und damit fast schon an das schrecklich peinliche Gefährliche Brandung-Remake erinnern. Leid tut’s mir allerdings vor allem um Donnie Yen und Tony Jaa, deren halsbrecherische Stunts unter der hektischen Kameraführung sowie viel zu schnellen Schnitten leiden. Wer sich von ihren phänomenalen Martial Arts-Künsten tatsächlich überzeugen möchte, sollte sich dann doch eher den thailändischen sowie chinesischen Filmen der beiden widmen – etwa Ong BakRevenge of the WarriorIp Man oder SPL: Kill Zone.

Mit all seinem Franchise-Gehabe, seinem Soundtrack (von fetzigem Techno bis zu spanischem Hip Hop) und seiner farbenprächtigen Optik ist xXx 3 zweifelsohne brandaktuell. Abgesehen davon wirkt der Film jedoch wie ein verstaubtes Relikt einer Zeit, deren Tage längst gezählt sind. Dabei lassen Vin Diesels One-Liner-Qualitäten ebenso zu wünschen übrig wie die Kreativität, wenn es um den Aufbau von Actionsequenzen geht. Diese haben nämlich nicht nur keinerlei Bedeutung, sondern sind zumeist auch noch von der Stange – ohne Wiedererkennungswert, ohne raffinierte Handgriffe, ohne Mehrwert. Und wenn dann einmal der Funke überspringt, dann nur, wenn sich Donnie Yen doch noch einmal mal austoben durfte, wenn man sich selbst aufs Korn nimmt oder wenn man Genre-Klassiker referenziert. Ob Nina Dobrev wohl True Lies gesehen hat?

Mittel zum Zweck

xXX: Die Rückkehr des Xander Cage ist der jüngste Versuch Hollywoods, ein weiteres Franchise aus dem Boden zu stampfen – und zwar mit möglichst geringem Aufwand. Warum nicht? Hat ja auch mit The Fast and the Furious ganz gut geklappt.

Der Film macht sich einen Spaß daraus, andere nachzuahmen – zumindest dahingehend kann man den Machern nicht unterstellen, sich keinerlei Gedanken gemacht zu haben. Dass das aber nur bedingt funktioniert, liegt allen voran an der allgegenwärtigen Substanzlosigkeit von xXx 3, die dem Film jegliche Möglichkeit nimmt, länger im Gedächtnis zu bleiben.

In xXx 3 passiert irgendwie immer etwas, und gleichzeitig auch nichts – ein enttäuschend belangloses Spektakel. Letzten Endes ist der Film nicht mehr als ein präpotenter Versuch, aus Triple X das nächste Fast & Furious zu machen. Würde man diese Absichten aber wenigstens nicht in jeder Szene offenkundig mit dem Publikum teilen, würde Die Rückkehr des Xander Cage vielleicht auch tatsächlich Spaß machen. Für einen potentiellen vierten Teil würde ich mir jedenfalls wünschen, dass sich die Macher weniger mit dem Drumherum beschäftigen und ihrem Film stattdessen einen eigenen Charakter aufbrummen – das Potential dazu wäre zweifelsohne da. Ein krimineller Badass als Superagent? Ich meine, daraus lässt sich doch was machen! Kingsman, hust.

4/10

AUF GUAT DEITSCH

Eich vawirrt die heitige Zeit mit der ganzn Emanzipation? Ihr wullts net „denkn miassn“, wenns an Füm schauts? Und da Vin Diesel gheat sowieso zu eichare Lieblings-„Schauspülla“? Na dann, nix wie ran an xXx: Die Rückkehr des Xander Cage – der kann eich jo nur daugn!

Na, ehrlich. Ihr werds in dem Füm nix sehn, wos net scho wo andas gsehn hobts. Wenn eich des blunzn is, gratuliere, ihr kenntats echt Spaß mit xXx 3 hobn.

Darum geht’s: Extremsportler Xander Cage (Vin Diesel) kehrt als Geheimagent für die Regierung aus dem Exil zurück, um die unaufhaltbare Waffe mit dem Namen „Die Büchse der Pandora“ zu bergen und gerät mit seinem Bad-Ass-Team in eine tödliche Verschwörung, die auf Betrug auf höchster Regierungsebene hindeutet. Mit dem typisch trockenen Humor und atemberaubenden, bildgewaltigen Stunts hebt xXx: DIE RÜCKKEHR DES XANDER CAGE die Messlatte für Actionfilme auf ein neues Niveau.

Des gibt’s zum wissn:

#1: Die Produktionskosten von xXx: Die Rückkehr des Xander Cage haben knapp 85 Mio. US-Dollar betragen.

#2: Ursprünglich war für die Rolle des Xiang eigentlich Jet Li vorgesehen, an dessen Stelle später allerdings Donnie Yen an Bord geholt wurde.

#3: In einer Szene sieht man Xander Cages Waden-Tattoo in Großaufnahme. Damit soll Harry O’Connor Tribut gezollt werden, Vin Diesels Stuntdouble aus xXx – Triple X. O’Connor kam während den Dreharbeiten des ersten Teils ums Leben.

#4: xXx 3 ist der erste Film der Reihe ohne Michael Roof. In den beiden Vorgänger-Filmen war er als Tech-Geek für die tödlichen Gimmicks der Triple X-Einheit verantwortlich. Roof nahm sich 2009 das Leben.

#5: Wie auch schon bei The Fast and the Furious kehrte Vin Diesel auch nach dem Erfolg von xXx nicht für Teil 2, sondern erst für den dritten Film zurück vor die Kamera.

#6: xXx 3 ist der erste Film der Reihe, der nicht von Columbia Pictures, sondern von Paramount Pictures produziert wurde.

#7: Der Film spielte weltweit über 346 Mio. US-Dollar ein.

#8: In Asien hat man beim Marketing des Films vor allem auf Donnie Yens Popularität gesetzt. Vorschauen zeigten vor allem ihn und seine Kampfszenen, auf Postern wurde er sogar vor Vin Diesel platziert. Dass Die Rückkehr des Xander Cage in China über 100 Mio. US-Dollar einspielte – immerhin mehr als das Doppelte als in den USA! -, ist u.a. aber auch Musiker Kris Wu zu verdanken, der den Titelsong zum Film beisteuerte und außerdem auch in einer Nebenrolle im Film zu sehen ist.

Wenn da xXx: Die Rückkehr des Xander Cage taugt, dann vielleicht a…

xXx – Triple X. Der erste Teil war damals, ich war gerade einmal 13, gar nicht mal so übel – und ist auch heute noch für eineinhalb herrlich hirnlose, aber unterhaltsame Stunden gut. xXx: The Next Level war hingegen schon damals eine Katastrophe. Aber, wer weiß, wenn Die Rückkehr des Xander Cage zu euren Action-Highlights der letzten Zeit gehört, könnte euch wohl auch das Diesel-lose Zwischenkapitel gefallen.

Bei all den Parallelen liegt natürlich auf der Hand, auch The Fast and the Furious zu empfehlen. Wer den mittlerweile zu Übermenschen mutierten Kleinganoven mit dem Bleifuß aber auch nur das Geringste abgewinnen kann, hat die xXx-Filme aber wohl ohnehin längst ins Herz geschlossen. Wenn für euch Action zu einem gewissen Grad over the top sein muss, dann dürftet ihr mit Transporter 1-3 oder auch Crank und Crank 2 aber mindestens genauso viel Spaß haben.

Die Kombination aus stylischer Optik, oberflächlicher Story und Martial Arts-Action in einem Hollywood-Streifen erinnert außerdem auch zwangsläufig an Jet Lis US-Ära, in der Filme wie Rome Must Die sowie Born 2 Die entstanden sind. Beide Filme werden wohl nicht mehr in die Geschichte eingehen, sind für Genrefans aber dennoch eine Sichtung wert – ich seh‘ sie mir jedenfalls immer wieder gerne an. Ganz im Gegensatz zu Point Break, dem Gefährliche Brandung-Remake, der nichts weiter als ein Werbefilm für Extremsportarten ist – und damit zumindest szenenweise eine Gemeinsamkeit mit xXx 3 hat. Und ja, irgendwie musste ich während dem Schauen auch immer wieder an D.O.A. – Dead or Alive denken. Ob das gut oder schlecht ist, kann jeder für sich entscheiden.

Wenn Actionfilme übertreiben, muss das aber nicht immer schlecht sein. Nein, wenn die Macher ihr Handwerk verstehen, machen Filme unter den richtigen Umständen nämlich ganz besonders Spaß. Deshalb möchte ich noch ein paar Streifen erwähnen, die mir trotz (oder gerade aufgrund) all ihrer Übertreibungen sehr gut gefallen haben: Das A-Team, REDShoot ‚em UpSmokin‘ AcesWantedWelcome to the Jungle

DVD/Blu-ray

Paramount veröffentlicht xXX: Die Rückkehr des Xander Cage auf DVDBlu-ray3D Blu-ray sowie als 4K Ultra-HD Blu-ray. Zum Drüberstreuen gibt’s den Film für Sammler außerdem im Blu-ray Steelbook. Erscheinungstermin: 1. Juni 2017

In den USA gibt’s übrigens noch ein zweites Steelbook zum Film. Exklusiv bei Best Buy werden gleich zwei Versionen davon angeboten – mit 4K und Blu-ray sowie mit Blu-ray und DVD.

Spoiler Buff

xXx: Die Rückkehr des Xander Cage ist wie ein Zahnarztbesuch als Kind: Egal, was einem die liebe Frau Mutter einreden will, man weiß ganz genau, was auf einen zukommt. Man muss hin, man hat Angst davor, ist aber umso glücklicher, wenn’s vorbei ist – ja, der gesamte Ablauf ist gewissermaßen vorprogrammiert. Wie bei xXx 3 eben. Aus diesem Grund spar‘ ich mir auch, mich großartig mit der Story des Films zu beschäftigen – haben die Macher des Films ja auch nicht getan. Wer einen Film mit Vin Diesel einlegt, weiß ohnehin, womit er zu rechnen hat.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s