Dem Untergang geweiht – „King Arthur: Legend of the Sword“

KRITIK | Wenn man Guy Ritchie 175 Mio. US-Dollar in die Hand drückt, um einen Fantasy-Epos zu drehen, kann das eigentlich nur schiefgehen – zumindest finanziell. Schade, denn in King Arthur: Legend of the Sword gibt’s so einiges zu sehen, das es so noch nicht gab. Zum Beispiel gigantisch große Elefanten. Oder David Beckham.

KRITIK

Die Ankündigung eines neuen King Arthur-Films hat mich nicht gerade hellhörig werden lassen. Genau genommen ist der Film in letzter Zeit ganz und gar von meinem Radar verschwunden – und das nicht nur, weil die Werbemaschinerie (zumindest hier im Vietnam), die einem den Film schmackhaft machen soll, nicht gerade auf Hochbetrieb lief. Ich bin einfach kein allzu großer Fan historischer Fantasy-Filme, und dass auch noch Guy Ritchie die Regie übernommen hat, schien mir irgendwie auch nicht so ganz koscher. Am allerwenigsten verstehe ich allerdings, wie man einem Regisseur wie ihm ein Produktionsbudget von 175 Mio. US-Dollar überlassen kann – für einen in gewisser Weise unkonventionellen Genre-Mix irgendwo zwischen zynischem Dialogkino und bombastischem Epos. Immerhin soll ein Film seine Kosten auch wieder einspielen. Während genau das für King Arthur: Legend of the Sword aber schon kurz nach Kinostart in weite Ferne rückt, hab‘ ich für ihn doch mal zwei Stunden meiner Lebenszeit locker gemacht – und es nicht bereut.

Auf den Spuren von Peter Jackson und Zack Snyder

Der Film beginnt mit einer der brachialsten Eröffnungsszenen, die das Kinojahr 2017 bisher zu bieten hatte – und schafft es damit auch gleich vorneweg, meine volle Aufmerksamkeit zu gewinnen. Wenn euch Guy Ritchie mit seiner bildgewaltigen Inszenierung also nicht schon nach wenigen Minuten begeistern kann, könnt ihr den Film eigentlich auch schon wieder sein lassen – denn besser wird’s nicht mehr.

Bereits mit seinen Sherlock Holmes-Adaptionen sowie Codename U.N.C.L.E. hat der Brite gezeigt, dass er mit größeren Budgets durchaus etwas anzufangen weiß – King Arthur: Legend of the Sword ist da aber doch noch einmal eine andere Liga. Der Film dreht von Beginn an ordentlich auf und versucht sich, was die Inszenierung angeht, irgendwo zwischen Peter Jacksons Der Herr der Ringe und Zack Snyders 300 zu positionieren. Das funktioniert stilistisch zwar immer wieder ganz gut, wirkt letztendlich aber nicht ausgereift genug, um jenen Filmen tatsächlich auf Augenhöhe zu begegnen. Denn trotz horrender Produktionskosten tauchen im CGI-getränkten Bilderrausch auch immer wieder eindimensionale Special Effects, die irgendwie noch unfertig wirken, auf. Im Großen und Ganzen bleibt der Film aber dennoch als optisches Schmankerl in Erinnerung. Ach, und für die Schlachten bzw. Schwertkämpfe hat man sich endlich mal wieder etwas Neues einfallen lassen – ob’s einem letzten Endes auch gefällt, ist Geschmackssache. Ich bin jedenfalls immer froh, wenn ich im Kino mal etwas zu sehen bekomme, das ich so noch nicht kannte.

Dass einem der Film in gewissen Szenen nicht nur groß, sondern ganz und gar monumental erscheint, liegt aber nicht nur an seinen Bildern, sondern vor allem an seinen Klängen. Ja, der Score entpuppt sich im Laufe des Films wahrlich als treibende Kraft hinter dem opulenten Effektgewitter und hat mir so manch Gänsehaut-Moment beschert.

Typisch Guy Ritchie

Immer wieder werden Vergleiche zwischen dem Guy Ritchie und Quentin Tarantino, oft auch mit Martin McDonagh gezogen. Dabei sind es nicht die Dialoge, die vor allem Ritchie und Tarantino verbindet, sondern viel mehr die Fähigkeit, schlichtweg jedem Stoff ihre eigenwillige Handschrift aufzudrücken. Die typisch spitzzüngigen Dialoge, die rasanten Schnittfolgen sowie der spielerische Umgang mit mehreren Zeitebenen macht King Arthur: Legend of the Sword trotz epischer Ansätze letzten Endes nämlich vor allem zu einem klassischen Guy Ritchie-Film.

Ebenfalls typisch für Ritchies Filme ist, dass sie bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt sind. Und auch wenn ich immer noch Jax Teller (aus Sons of Anarchy) sehe, wenn ich Charlie Hunnam sehe, macht der seine Sache auch als König Arthur gut – die Rolle ist ohnehin ähnlich angelegt wie die des impulsiven Biker-Bad Boys. Nicht weniger überzeugend, wenn auch stellenweise an der Grenze zum Overacting, ist Jude Law als hin und her gerissener, nach Macht gierender Onkel. Und während auch Astrid Bergès-Frisbey sowie Djimoun Hounsou in ihren Rollen überzeugen, gibt’s einen überraschenden Gastauftritt von David Beckham, den sich wirklich nur ein Guy Ritchie erlauben kann.

Fluch und Segen

King Arthur: Legend of the Sword ist kein Fest revolutionärer Ideen, sondern vielmehr eine ungewöhnliche, aber sehenswerte Kombination zweier altbekannter Genres. Trotzdem, der Film fühlt sich eher wie eine 60 Mio. Dollar-Produktion an – etwas eigenwillig und gewagt, gleichzeitig aber kommerziell genug, um zumindest die Produktionskosten wieder einzuspielen. Abseits seiner horrenden Produktionskosten, die den Film ungemein aufblähen, traut sich der Film genug, um als originell zu gelten und zu viel, um erfolgreich zu sein. Nennen wir’s einfach den Scott Pilgrim-Effekt.

Um jeden Preis gesehen haben muss man den Film wohl nur als eingefleischter Fan von Charlie Hunnam oder Guy Ritchie. Wer das nicht ist, kann mit King Arthur: Legend of the Sword aber immer noch zwei kurzweilige Stunden verbringen, denen man im Nachhinein keinesfalls nachweint.

7/10

AUF GUAT DEITSCH

Ganz afoch: Seids eher Leit, de für hundatstn Transformers ins Kino gehn oda Leit, de’s schätzn, wenn a Füm wenigstns IRGNDWIE wos Neichs bietet? Ersteres? Dann was i a net, wos i no sogn sull. Letzteres? Dann ob ins Kino, damit King Arthur: Legend of the Sword finanziell wenigstens net ganz so oag einfohrt.

Überoll sogns, da Füm wär a Mischung aus Der Herr der Ringe und Snatch. Jo, is er a irgendwie – und zwoa ganz ohne so zu wirkn, als wära weda Fisch no Fleisch. Fette Fantasy-Action mit a poa flotte Sprüche… und guat is.

Darum geht’s:  Als der Vater des kleinen Arthur ermordet wird, reißt Arthurs Onkel Vortigern (Jude Law) die Macht an sich. Arthur wird seines Geburtsrechts beraubt und ahnt nicht, welche Position ihm eigentlich zusteht – stattdessen wächst er unter härtesten Bedingungen in den Hinterhöfen der Stadt auf. Doch als er dann das Schwert aus dem Stein zieht, steht sein Leben plötzlich Kopf – endlich wird er gezwungen, sich seinem wahren Schicksal zu stellen … ob ihm das passt oder nicht.

Des gibt’s zum wissn:

#1: Die Produktion von King Arthur: Legend of the Sword hat stattliche 175 Mio. US-Dollar gekostet – und damit mehr als beispielsweise Guardians of the Galaxy oder Jurassic World.

#2: King Arthur: Legend of the Sword war ursprünglich als Start einer sechsteiligen Filmreihe gedacht. Ob aber tatsächlich noch fünf Sequels folgen, bleibt abzuwarten – denn der Film droht bereits kurz nach Kinostart ein Flop zu werden.

#3: Katie McGrath, die als Elsa im Film zu sehen ist, hat schon einmal in einer King Arthur-Adaption mitgespielt – als Morgana in Merlin – Die neuen Abenteuer.

#4: Ursprünglich sollte der Film eigentlich den Titel Knights of the Roundtable: King Arthur tragen.

#5: In der Entwicklungsphase des Films wurden verschiedene Besetzungen angedacht, die aus unterschiedlichen Gründen nicht realisiert wurden – einmal mit Kit Harington als Arthur und Joel Kinnaman als Lancelot, einmal mit Colin Farrell als Arthur und Gary Oldman als Merlin.

#6: Charlie Hunnam wollte um jeden Preis King Arthur spielen. Er versprach Guy Ritchie, der seine Physis im Vorhinein kritisierte, dass er tun würde was nötig wäre, um die Rolle zu bekommen – und das bedeutete mehrere hundert Push-Ups pro Tag. Immerhin galt es Henry Cavill und Jai Courtney (auch körperlich) Konkurrenz zu machen.

#7: Charlie Hunnam war Feuer und Flamme mit dem Projekt, als er hörte, der Film würde eine Mischung aus Der Herr der Ringe und Snatch werden.

#8: Nachdem Neymar in xXx: Die Rückkehr des Xander Cage einen kurzen Gastauftritt feierte, kommt in King Arthur: Legend of the Sword ein weiterer (ehemaliger) Fußballer zum Einsatz: David Beckham.

Wenn da King Arthur: Legend of the Sword taugt, dann vielleicht a…

SnatchBube, Dame, König, grAs oder Sherlock Holmes – mag im ersten Moment zwar wenig passend erscheinen, macht aber gerade hinsichtlich der Dialoge und deren Inszenierung Sinn. Sie alle verbindet ganz einfach ihr Regisseur, dessen beißende Wortgefechte stets die Hauptrolle in einem Guy Ritchie-Film spielen.

Anstatt nun all die herausragenden Historienepen sowie die Vielzahl an Arthur-Adaptionen aufzulisten, kommen mir vor allem Filme wie Zack Snyders 300 oder Krieg der Götter in den Sinn. Denn auch sie verbinden moderne Stilmittel mit historisch angehauchten Fantasy-Stoffen auf originelle Art und Weise. Etwas, das auch Kampf der Zitaten und Zorn der Titanen sowie Hercules versucht haben – meiner Meinung nach aber weniger erfolgreich. Okay, vor allem Hercules fand ich einfach nur schrecklich peinlich.

Außerdem erwähnenswert: Der Herr der RingePrince of Persia

DVD/Blu-ray

Warner Bros. bedient Filmfreude standesgemäß Medium-übergreifend. King Arthur: Sword of the Legend wurde auf DVDBlu-ray3D Blu-ray sowie 4K Ultra-HD Blu-ray angekündigt. Während Amazon außerdem auch ein exklusives 3D Blu-ray Steelbook zum Film listet, ist zu erwarten, dass Warner parallel dazu eine 2D-Variante exklusiv bei Saturn und Media Markt anbieten wird.

Ach ja, bis zum Verkaufsstart des Films (voraussichtlich Oktober 2017) könnt ihr euch die Zeit ja mit dem trashigen Pendant von The Asylum vertreiben – King Arthur and the Knights of the Round Table ist nämlich pünktlich zum Kinostart der Hollywood-Variante im Handel erschienen.

Spoiler Buff

Arthur ist der Auserwählte, der dem Schwert mächtig ist! Wer hätte das gedacht?

Nein, im Ernst: Wer die Geschichte kennt, kennt den Inhalt im Groben ohnehin. Besonders gut hat mir aber die Vorgeschichte des Schwertes bzw. der Tod von Arthurs Vater (gespielt von Eric Bana) gefallen.

Ansonsten überleben natürlich die wichtigsten Charaktere, da der Film ja ursprünglich als Start einer ganzen Reihe gedacht war. Ob es dazu aber wirklich noch kommt? Ich wage es, ähnlich wie bei Power Rangers, zu bezweifeln.

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2 Gedanken zu “Dem Untergang geweiht – „King Arthur: Legend of the Sword“

  1. Ich fand den Film unterhaltsam. Irritierend fand ich nur Petyr Baelish ohne Schnauzer.. Plus hatte ich ständig das Gefühl, dass er den armen irgendwann über den Tisch zieht 😀

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