Mein erstes Mal #2: „Die Klapperschlange“

KRITIK | Kaum zu glauben, aber während Carpenter-Klassiker wie „Halloween“ und „Das Ding“ seit jeher zu meinen Lieblingsfilmen zählen, ist Die Klapperschlange bisher unbemerkt an mir vorbei gekrochen. Über 35 Jahre nach ihrem Debüt hat sie sich nun doch noch um mein Cineastenherz geschlängelt – und mich ganz genauso um den Finger gewickelt, wie einst wohl auch sein Kinopublikum. Ein zeitloser Klassiker, dessen Kultstatus bis heute völlig zu Recht unumstritten ist.

Endlich mitreden

Wenn sich die Cineasten in meinem Bekanntenkreis über ihre ganz persönlichen Helden aus den 80ern unterhalten, gibt es nun endlich keinen Grund mehr, mich gezwungenermaßen zurückzuhalten und ja kein Wort zu viel zu verlieren – um keinen Preis will ich die Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Was, wenn mich jemand fragen würde, ob Snake Plissken seiner Zeit nicht die coolste Sau überhaupt war – erwartungsvoll nickend, in der Annahme, ich würde doch ohnehin nur zustimmen können. Nein, konnte ich nicht. Ebenso wenig konnte ich widersprechen, denn auch wenn ich sehr wohl wusste, um wen es sich dabei handelte, kannte ich den Badass mit der Augenklappe bisher nur von Postern und DVD-Covern. In Action gesehen hatte ich ihn nie. Aber warum eigentlich nicht?

Als ich Halloween im Alter von 14 Jahren zum ersten Mal gesehen hab‘, hatte ich noch keine Ahnung von Filmen. Ich hab‘ den Film ganz einfach geliebt – nicht aufgrund von ach so kritischen Analysen, sondern einfach, weil mir kein Film davor (oder danach) je so viel Angst bereitet hat. Nicht zuletzt deswegen zähle ihn bis heute zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. John Carpenter hatte bei mir also sozusagen einen Stein im Brett. Kurz darauf musste ich natürlich auch gleich The Thing sehen – einen weiteren Klassiker von ihm. Und ja, auch wenn ich mit dem Science Fiction-Genre damals schon nur wenig anzufangen wusste, war ich Feuer und Flamme mit dem Streifen. Es war der Beweis: John Carpenter ist schlichtweg ein Meister seines Fachs. Also, gleich weiter im Takt…

Es folgte meine persönliche Anschlag bei Nacht-Premiere, und damit auch das Ende meiner Carpenter-Euphorie. Ich war ganz einfach zu jung, um tatsächlich zu verstehen, was in diesem Film eigentlich vorging und interessierte mich nicht weiter für die „schlecht gemachte“ Action. Ich war an hochexplosive Blockbuster wie Bad Boys 2 und Matrix gewöhnt, an „Martial Arts-Spektakel“ wie The Transporter oder Romeo Must Die. Was sollte ich da mit diesem unspektakulären, „uralten Schinken“, in dem es nicht einmal richtig rummst?

Ich habe lange gebraucht, bis ich Anschlag bei Nacht doch noch eine zweite Chance gegeben hab‘, um zu erkennen, dass natürlich auch dieser einem Kultstatus gerecht wird. Dennoch, in meinen Jugendjahren hatte ich aufgrund meiner Ersterfahrung nicht vor, irgendeinen Carpenter-Film zu sehen, der kein Horrorfilm war. Und so kam’s, dass ich einen seiner größten Klassiker einfach links liegen gelassen hab‘ – bis jetzt.

Halloween im kriminellen Großstadtdschungel

Ich hab‘ ihn nun endlich gesehen, Escape from New York, dessen deutscher Titel Die Klapperschlange bei einer Deutsch-Schularbeit zwar als Themenverfehlung geahndet werden würde, deswegen aber nicht weniger cool ist. Und auch wenn in der Zwischenzeit (noch einmal) 14 Jahre vergangen sind, Halloween hab‘ ich in jener Zeit unzählige Male gesehen – und ich liebe ihn wie am ersten Tag. Kein Wunder also, dass es mir auch Snake Plisskens Abenteuer im Großstadtdschungel der Kriminellen so richtig angetan hat. Denn die beiden Filme haben mehr gemeinsam, als man meinen könnte…

Das Offensichtliche vorweg: Der legendäre Synthesizer-Score, der John Carpenter schon zu Halloween-Zeiten berühmt gemacht hat, ist auch in seinem apokalyptischen Endzeit-Thriller unerlässlich. Zudem ist der großartige Donald Pleasance, möge er in Frieden ruhen, erneut mit von der Partie. Und während beide Filme mehr oder weniger Hetzjagden darstellen – einmal als Vorstadt-Slasher, einmal als knochenharter SciFi-Thriller -, setzte Carpenter auch hier auf zahlreiche Darsteller, die man noch aus Halloween kennt. Mit dabei sind neben Pleasence u.a. nämlich auch Charles Cyphers, der als Leigh Brackett in den ersten beiden Halloween-Filmen zu sehen war sowie Tom Atkins, der die Hauptrolle in Halloween 3 gespielt hat. Ja, selbst Jamie Lee Curtis feiert einen kleinen Gastauftritt, als Erzählstimme zu Beginn sowie als Computerstimme in der ersten Gefängnisszene. Und als wäre das nicht genug, stammt das Drehbuch zum Film auch noch ausgerechnet von Nick Castle – jenem Herrn, der in Carpenters Kult-Slasher drei Jahre zuvor noch Michael Myers mimte.

Wenn alte Filme neue alt aussehen lassen

Alte Filme, neue Filme, alte neue Filme? Hä? Wie jetzt? Naja, ihr wisst schon. Die Klapperschlange ist einer dieser Streifen, die selbst hochkarätig besetzte, moderne Genrefilme in den Schatten stellen – und das weiß Gott nicht, weil er so zeitlos ist. Also, irgendwie dann doch wieder, aber eigentlich nicht.

Mit seinem Badass, an dessen Coolness sich selbst Dwayne Johnson oder Jason Statham die Zähne ausbeißen würden – und das trotz ihrer gestählten Körper -, seinen Synthesizer-Sounds und seinem rauchigen, verruchten Setdesign ist der Film ein unverkennbares Kind der 80er. Doch auch es wenn mir solche Filme in der Vergangenheit schwer gemacht haben, mich so sehr in sie zu verlieben, als wäre ich mit ihnen aufgewachsen, ist das im Falle von Die Klapperschlange gar nicht weiter schlimm. Denn während ich immer noch darauf warte, dass bei mir etwa der Funke zu Indiana Jones doch noch irgendwann überspringt, funktioniert Snake Plisskens One-Man-Show auch heute noch – selbst bei einer Erstsichtung über 35 Jahre nachdem der Film Kurt Russells Durchbruch besiegelte.

Auch wenn die Geschichte von Snake Plissken unweigerlich mit jener Ära, in der sie sich zugetragen hat, verbunden ist, funktioniert der Film auch heute noch – ganz einfach, weil Carpenter meisterhaft inszeniert (damals zumindest). Er ist ohnehin bekannt, ungemein beklemmende Szenarien zu kreieren, die einem regelrecht den Atem rauben. Hinzu kommen hier aber nicht nur die hervorragenden Kostüme und Setdesigns, sondern auch eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik – und die schwingt nicht nur mal eben nebenher mit, sondern stellt fast schon die Quintessenz des Films, die ihn so zeitlos macht, dar.

Die Klapperschlange Reloaded

Ein Reboot des Films ist schon seit Jahren im Gespräch. Und während erst kürzlich verlautbart wurde, dass Robert Rodriguez (From Dusk Till DawnPlanet Terror) die Regie übernehmen soll, warte ich doch erst einmal lieber ab – nur zu oft wurden derartige Neuverfilmungen angekündigt, um letzten Endes doch im Nichts zu versanden. Bei all dem Bashing, das Remakes aber immer wieder einstecken müssen, hätte ich nichts gegen eine Neuauflage der Klapperschlange. Mit den technischen Möglichkeiten von heute könnte man der Geschichte durchaus neues Leben einhauchen. Das entscheidende Element der Sozialkritik könnte man zudem ganz hervorragend übernehmen und auf die neue Generation ummünzen. Ein Regisseur wie Rodriguez hätte mit der Liebe zum Old School-Kino jedenfalls beste Voraussetzungen, um Snake Plisskens Saga auch tatsächlich gerecht zu werden.

Wenn man aber kurz drüber nachdenkt, gibt es ja eigentlich schon die eine oder andere Neuinterpretation von Snake Plisskens Heldensaga. Pierre Morels Ghettogangz punktet zwar in erster Linie mit den Parkour-Künsten von David Belle, würde mit der gesellschaftlichen Ausgrenzung Krimineller aber genauso gut auch als Escape from Paris durchgehen. Wer in den 80ern großgeworden ist und somit gewissermaßen eine angeborene Schwäche für Titelhelden mit One-Liner-Affinität hat, sollte außerdem unbedingt Lockout gesehen haben. In diesem herrlich kurzweiligen SciFi-Actioner werden Straftäter nämlich sogar ins All befördert – nur ist es nicht der Präsident selbst, den es zu retten gilt, sondern seine Tochter. Egal, für mich heißt der Streifen ab sofort nichtsdestotrotz Escape from Outer Space.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Die Klapperschlange hat mir einmal mehr gezeigt, dass es nie zu spät ist, Klassiker nicht nur nachzuholen, sondern sie auch in sein Herz zu schließen. Wenn ihr den Film also auch noch nie gesehen habt, obwohl ihr keine Abneigung gegen „alte Filme“ oder gegen John Carpenter habt – wie könnte man auch nur? -, holt diesen absolut kultigen Streifen unbedingt nach!

Ich bin jedenfalls schon am Überlegen, welche Edition(en) des Films ich mir in die Sammlung holen soll; geben würd’s ja genug – von der Standard Blu-ray über die Birnenblatt-Hartbox und die Full Slip Edition aus Korea bis hin zum Steelbook von Shout Factory, das im August 2017 erscheint, seinen Platz in meinem Regal schon jetzt sicher hat!

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