„The Founder“: Wie McDonald’s Amerika eroberte

KRITIK | Nach dem Aufstieg von erfolgreichen Unternehmern wie Mark Zuckerberg oder Jordan Belfort hat sich Hollywood nun auch der Geschichte von Ray Kroc angenommen – mit einem überzeugenden Michael Keaton als Gründer des größten Restaurantphänomens des 20. Jahrhunderts: McDonald’s. Und The Founder hat mit Fast Food durchaus so seine Gemeinsamkeiten…

Kritik

Egal, wo am Erdball man sich gerade befindet, eines lässt sich nahezu überall sagen: Der nächste McDonald’s ist nicht weit. Das Multimilliarden-Dollar-Unternehmen gehört zweifelsohne zu den erfolgreichsten Phänomenen, die das 20. Jahrhundert wirtschaftlich hervorgebracht hat. McDonald’s ist überall, immer. Jeder kennt’s und ja, auch wenn er in der heutigen Zeit immer mehr Gegner um sich schart, war wohl auch schon jeder einmal dort. Angeblich sollen die einst nach goldenem Frittierfett gefärbten goldenen Bögen – heut als „M“-Emblem bekannt – mehr Leute mit McDonald’s verbinden als ein Kreuz mit der Kirche. Dabei ist es kaum vorstellbar, dass all das irgendwann einmal, vor langer, langer Zeit, mit nur einem kleinen Restaurant begonnen haben soll. Drehbuchautor Robert D. Siegel (The WrestlerTurbo) nahm sich nun der Geschichte oder, besser gesagt, der Entstehung des Megakonzerns an, um die erfolgreichste Burger-Saga aller Zeiten ins Kino zu bringen. The Founder wird zwar zweifelsohne nicht ganz so erfolgreich wie McDonald’s abschneiden, hat aber dennoch irgendwie Fast Food-Charakter…

Mit der Kritik zum Film werde ich’s ähnlich halten, wie es auch der Film praktiziert: Routiniert und ohne Überraschungen. Was man davon halten soll, liegt wie immer im Auge des Betrachters. Dabei beginnt The Founder mit einem vermeintlichen Monolog Keatons, der einen für einen Augenblick hoffen lässt: Schließt der Mittfünfziger tatsächlich da an, wo er mit Birdman aufgehört hat – vielleicht mit einer Schippe The Wolf of Wall Street obendrauf? Nein, die Hoffnungen, die ich unterbewusst insgeheim schürte, bestätigten sich nicht. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen…

Gut, es muss jetzt auch nicht jedes Biopic einzigartig erzählt sein, mit raffinierten technischen Kniffen oder so überspitzt inszeniert sein, dass man gar nicht glauben kann (oder will), dass sich diese Geschichte tatsächlich so zugetragen haben soll. Immerhin gibt es auch für Hollywood-Filme Einschränkungen bei der Erzählung wahrer Begebenheiten, auch wenn diese – lose und mit dramaturgischem Spielraum – oft nach allen Künsten der Fantasie ausgedehnt werden. Dabei macht es durchaus Sinn, die Geschichte von Ray Kroc, dem Gründer von McDonald’s, wie wir die Fast Food-Kette heute kennen, zu erzählen. Es ist ganz einfach immer wieder interessant zu sehen, wie es Menschen gelingt, ein Imperium aus dem Nichts zu erschaffen. Und nein, ich spreche nicht von Star Wars. Das Problem dabei: Dass es zwar immer wieder interessant, aber irgendwie auch immer dasselbe ist.

Die bösen, bösen Geschäftsmänner

Immer wieder hört man, die Geschäftswelt wäre wie ein riesiges Haifischbecken, in dem stets ein noch größerer, zähnefletschender Kontrahent um die Ecke kommt und die Kleinen samt Schwanzflosse verschlingt. Ja, immer wieder werde ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt; man müsse doch ein Arschloch sein, um als Geschäftsmann das große Geld zu machen, unnachgiebig und skrupellos. Schade, war ich nie und werd‘ ich wohl nie sein. Dann eben nicht.

Im Film bieten sich, je nach Ausgangslage der tatsächlichen Umstände, verschiedene Möglichkeiten, das Ganze augenzwinkernd oder beinhart, als beißende Satire oder als Lehrfilm für zukünftige Schlipsträger in Szene zu setzen. Regisseur John Lee Hancock hat es sich zur Aufgabe gemacht, die McDonald’s-Saga zwar kurzweilig zu gestalten, lässt dabei allerdings auch einen gewissen Wiedererkennungswert vermissen. Wir lernen, dass man als gutmütiger Kerl eigentlich schon im Vorhinein verloren hat und dass Quantität über Qualität geht, dass nicht zählt, was wirklich dahinter steckt, sondern das, was für die Menschen auch ersichtlich ist und nicht zuletzt, dass ein Cocktail aus Ehrgeiz und Erfolg nicht selten zu unermesslicher Gier führt.

Die Geschichte von The Founder bringt keine allzu großen Erkenntnisse, wie sie uns nicht schon zig andere Filme offenbarten. Das mag einerseits daran liegen, dass Mc Donald’s nun mal auf diese Art entstanden ist, andererseits vielleicht aber auch am Regisseur des Films.

Routinierte Fingerübung

Ursprünglich waren es ja die Coen Brüder (The Big LebowskiFargo), die Gefallen an dem Skript von The Founder fanden. Und auch wenn ich nicht der größte Fan ihrer letzten Werke bin, glaube ich, dass die Geschichte von McDonald’s unter ihrer Führung wesentlich mehr Pepp mitgebracht hätte – skurrilere Szenenbilder, prächtigere Kostüme und nicht zuletzt pfiffigere Dialoge.

John Lee Hancocks Handschrift ist eine andere. Er bevorzugt es bodenständig und positioniert sich gerne zwischen heiteren und emotionalen Momenten, die, butterweich und handzahm, nie über gewisse Grenzen gehen. Was mich schon Blind Side – Die große Chance schnell vergessen ließ, wird mich in ein paar Jahren vermutlich auch nicht von The Founder schwärmen lassen. Denn ganz im Gegensatz zu Saving Mr. Banks, den ich trotz der minder authentischen Darbietung von Walt Disney in mein Herz geschlossen habe, fehlt Ray Krocs Geschichte einfach die große Gefühlskomponente. Unter anderem Michael Keaton sei’s gedankt, dass The Founder aber dennoch meilenweit davon entfernt ist, ein schlechter Film zu sein.

„Einen McBirdman, bitte.“

Ich dachte schon, Michael Keaton würde für mich immer Batman bleiben, ähnlich wie Daniel Radcliffe für meine Generation wohl auch noch mit 50 Harry Potter sein wird. Doch mit Birdman kam für den knapp 50-Jährigen so etwas wie der zweite Frühling, der ihm wohl letzten Endes auch die Rolle des Ray Kroc verschafft haben dürfte – gut so. Denn während Inarritus Theater-Kino-Parabel auf einem hochklassigen Ensemble lastet, trägt Keaton das McBiopic vor allem auf seinen eigenen Schultern. Nick Offerman, John Carroll Lynch, Laura Dern, Patrick Wilson und Linda Cardellini machen ihre Sache erwartungsgemäß ebenfalls gut, dienen letzten Endes aber lediglich dazu, Keaton zu bespielen – und es funktioniert.

Man kauft Keaton den Ehemann und ehrgeizigen aber ehrlich Geschäftsmann ebenso ab wie den eiskalten, berechnenden, über Leichen gehenden Mogul, zudem er im Laufe der Geschichte mutiert. Und auch wenn nichts aus einer zweiten Oscar-Nominierung wurde – darauf hat er zweifelsohne spekuliert -, so ist Keaton der Dreh- und Angelpunkt des Films, nicht nur hinsichtlich der Story, sondern auch des Unterhaltungswertes.

Zamgfasst

The Founder ist ein Biopic nach Schema F – wenig innovativ, aber gekonnt in der Ausführung. Der Film kommt in seinen 115 Minuten Laufzeit kaum auf Touren, lässt gleichzeitig aber auch kaum Längen zu und hätte für meinen Geschmack auch ruhig noch etwas länger gehen dürfen, um bestimmte Ansätze und Details weiter auszuarbeiten. Letzten Endes muss ich mir aber eingestehen, dass die Parallele zu McDonald’s nicht von der Hand zu weisen ist: The Founder schmeckt, solange er noch heiß ist, lässt zur selben Zeit aber wirklich reichhaltige Inhaltsstoffe vermissen und stillt den Hunger so höchstens kurzweilig.

7/10

Darum geht’s: Ray Kroc (Michael Keaton), Vertreter für Milchshake-Mixer, hat Anfang der 1950er Jahre nur äußerst mäßige Erfolge vorzuweisen. Trotzdem gibt der charismatische Vollblutverkäufer nicht auf und träumt den amerikanischen Traum. Als er zufällig von einem revolutionären Schnellrestaurant im kalifornischen San Bernardino hört, wittert er die Chance seines Lebens. Trotz anfänglichem Widerstand der Betreiber, der Brüder Mac (John Carroll Lynch) und Dick McDonald (Nick Offerman), gelingt es Ray durch Hartnäckigkeit und Raffinesse, die Franchise-Rechte zu erwerben. Doch bis daraus ein erfolgreiches Fast-Food-Imperium werden kann, muss Ray noch unzählige Hindernisse aus dem Weg räumen und unliebsame Entscheidungen treffen…

Des gibt’s zum wissn:

#1: Nachdem Tom Hanks bereits Walt Disney in John Lee Hancocks Saving Mr. Banks mimte, sollte er ursprünglich auch die Hauptrolle in The Founder übernehmen. Er lehnte allerdings ab.

#2: Sämtliche McDonald’s Filialen im Film wurden neu gebaut, da kein existierendes Restaurant den Ansprüchen der Filmcrew entsprach. Entweder die Läden oder ihre Umgebung entfernten sich optisch bereits zu weit vom Original.

#3: Die Firma, für die Ray Kroc vor Mc Donald’s arbeitete, beliefert McDonald’s bis zum heutigen Tag mit Equipment.

#4: Die Coen Brothers mochten das Drehbuch von The Founder, sodass sie sogar Regie übernehmen wollten. Da die beiden aber bereits an Hail, Ceasar! arbeiteten, kam es nicht dazu.

#5: In den USA startete der Film am 19. Jänner 2017 im Kino und spielte über 12 Mio. US-Dollar ein. Im deutschsprachigen Raum gibt’s den Film ab 20. April 2017 zu sehen.

#6: Heute serviert McDonald’s in über 36.000 Filialien mehr als 70 Millionen Burger täglich.

Wenn da The Founder taugt, dann vielleicht a…

Andere Biopics. Biopics, Biopics, Biopics. Ja, sie kommen in allen Formen und Farben, die man hassen oder lieben kann, aber irgendwie motiviert einen die Geschichte eines erfolgreichen Geschäftsmannes doch immer auch ein Stück weit selbst, die Dinge in die Hand zu nehmen. Und selbst wenn es mehr braucht, um euren Arsch hochzukriegen, faszinieren solche Geschichten aus der Geschäftswelt irgendwie trotzdem. Ich meine, als Normalbürger will man doch gar nicht glauben, wie es hier zugeht. Oder?

Natürlich erinnert die Geschichte von Ray Kroc inhaltlich an Filme wie The Social Network oder The Wolf of Wall Street, darüber hinaus halten sich die Gemeinsamkeiten mit jenen Filmen allerdings in Grenzen. Stattdessen ordnet sich The Founder in die Riege klassischer John Lee Hancock-Filme ein. Wer die Machart seines neuen Werks mochte, sollte unbedingt auch Saving Mr. Banks sowie, von mir aus, auch Blind Side gesehen haben. Weitere großartige Biopics: A Beautiful MindAviatorDer Elefantenmensch, GoodfellasGandhiMalcolm XWalk the LineWie ein wilder Stier.

DVD/Blu-ray

Zur Veröffentlichung im Heimkino gibt es derzeit noch keine Informationen. Der Kinostart im April lässt darauf schließen, dass The Founder ab dem Spätsommer (vermutlich September) auf DVD und Blu-ray erhältlich sein wird.

Spoiler Buff

Was kann man von The Founder schon zu viel verraten? Die Bösen gewinnen, die Guten schauen in die Röhre und was bleibt ist das Gewissen: Man mag vielleicht nicht reich sein, dafür aber auch kein Arschloch.

Das besondere Seherlebnis hat für mich aber die Tatsache ausgemacht, dass ich den Film in Koh Phangan, Thailand sehen konnte – und zwar nicht nur lange vor dem heimischen Kinostart, sondern auch in einem wunderbar charmanten, paradiesischen und rustikalen Kino. Mehr dazu gibt’s demnächst auf Celluloid Buff, in einem etwas ausführlicheren Bericht zu diesem ganz speziellen Kinoabend. 😉

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