„Horvathslos – Staffel 3“: Gibt Gas und macht Spaß!

KRITIK, Heimkino News | Aller guten Dinge sind drei: Die Horvath-Saga ist emotionaler, spektakulärer und deppata als je zuvor und erreicht am Wamser Platz ihren neuen Höhepunkt!

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Wamser Platz-Flair im eigenen Wohnzimmer

„Sat’s wieda do, gö? Jo, wisst’s doch, dass bei mir am schensten is…“

Herr Horvath? Herr Horvath? Ach, wie hab ich’s vermisst, diese zaghaften Annäherungsversuche, um mit dem stets an der Bierdose nippenden, Tschick drehenden Junggesellen ins Gespräch zu kommen. In Staffel 3 von Horvathslos ist Vorsicht übrigens ganz besonders geboten, und zwar mehr denn je. Denn es wird wilder, emotionaler und spektakulärer als es sich das Publikum von unserm Toni – etwa Arbeitslosenweihnachtsgeldbezieher, Mode-Mogule aus Lignano und scheiss Vandalisten – jemals erträumt hätte.

Wer also glaubt, Anton Horvath wäre mit Staffel 2 bereits am Zenit seines Schaffens angekommen, der wird mit dem neuen Kapitel der Horvath-Saga sein blaues Wunder erleben – und net nur, weil der Titelheld der ganzen G’schicht tatsächlich immer blau ist. Auch wenn Tonis Devise, man möchte fast schon Lebensmotto sagen, nach wie vor gilt: Nix löschtn Durscht so guat wie fünf Bier!

Leben wie der Kaiser in Japan (oder war’s doch China?)

Der Aufstieg des Anton Horvath gleicht fast schon dem seines Namensvetters, Tony „Scarface“ Montana. Gut, zum Drogenbaron hat’s der vom Leben gezeichnete Sozialfall noch nicht gebracht, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Doch selbst wenn er keine Karriere á la Breaking Bad hinlegen sollte, stehen ihm alle Türen dieser Welt offen, um schon bald als gemachter Mann auf ein erfolgreiches Leben zurückzublicken. Das meint zumindest Herr Pospischil, der in „seinem“ Toni weit mehr sieht als nur einen fleißigen, ehrlich arbeitenden Mechaniker. In den ersten beiden Staffeln hat der ja nicht nur handwerkliches Geschick bewiesen, sondern auch, dass er gut mit Leuten kann. Von Renate, der Sexgranate bis hin zu Kathilein, die angeblich „alles rein“ bekommt – Herr Horvath versteht es, seinen Mitmenschen Honig ums Maul zu schmieren und ihnen stets mit Respekt, Anstand und österreichischem Charme entgegenzutreten. Eine Gabe, die ihn zu höherem beruft – und zwar zum Hausmeister.

Wenn es darum geht, Wände zu streichen oder Lamperl zu wechseln, macht der gute Toni seinen Job wie kein anderer – und das ist wohl auch besser so (also, dass es sonst niemand so macht). Auch abseits der Instandhaltung des „Wamser Platz“ haut er sich so sehr ins Zeug, dass selbst die Nachbarn zu ihm kommen, wenn sie ein Problem haben. Dass Herr Horvath gleichzeitig aber auch der Auslöser für diverse Unannehmlichkeiten ist, lassen wir mal außen vor. Dem charmanten AMS-Verweigerer kann man ohnehin nicht lange böse sein, oder?

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Kaum voneinander zu unterscheiden: Wahrheit und Fiktion

„A Bier is nix aundas als a Zeitmaschin.“

Wenn man’s nicht besser wüsste, könnte man meinen, Anton Horvath hätte aus seinen Fehlern gelernt und geht in Staffel 3 deshalb so engagiert zu Werke. Immerhin will er ja auch nicht wie Herr Pospischil enden, der seine Werkstatt kaum am Leben erhalten kann, weil ihn die Kosten für „Heislpapier und ois“ in den Ruin treiben. Doch wenn sich Herr Horvath in einem sicher ist, dann, dass es überhaupt keinen Sinn macht, aus seinen Fehlern zu lernen. Viel besser ist es da schon, seine Fehler ganz einfach zu vergessen – klappt das nicht auf Anhieb, hilft nur noch der Griff zum kühlen Blonden. Denn fünf Bier löschen nicht nur bekanntlich den Durst am besten, sondern wirken auch noch wie eine Zeitmaschine. Quasi. Na dann, Prost!

Als Zuseher kann man jedenfalls nur dankbar sein, dass Herr Horvath seine Frühpension im Alter von 21 Jahren nicht zugesprochen bekommen hat. Ansonsten würde er heute nämlich sicher einen Ganzjahresurlaub irgendwo am Neusiedler See verbringen, um sich vor GIS-Eintreibern zu verstecken, seinen St. Margaretner Ellbogenfresser zu perfektionieren und leicht bekleidete Badenixen mit seinen Blicken auszuziehen. So bleibt Herr Horvath aber nicht nur uns vor der Kamera, sondern auch der vielseitigen österreichischen Arbeitswelt erhalten. Win-win, quasi.

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Anton Horvaths Filmtipps: „Ippman“ und „Bloodsports“

Vom Horvath kannst alles haben…

…außer die letzte Tschick. Und wenn ich sag‘ alles, meine ich auch alles. Denn während mich Horvathslos zu Beginn eher überrannte, mit seiner direkten, unverblümten, urösterreichischen Art, hat sich das Format zu einem strukturierten, durchdachten Comedy-Programm gemausert. Einerseits knüpfen Christopher Seiler und Bernhard Speer da an, wo Staffel 2 aufgehört hat. Die Burschen bleiben ihrer Linie treu und erzählen weiterhin überspitzte Geschichten aus dem österreichischen Leben, wie sie einst Qualtinger, Merkatz, Düringer oder Dorfer erzählten. Es sind diese Possen aus dem Alltag, die trotz (oder gerade aufgrund) ihrer überzogenen Inszenierung, ihrer derben Ausdrucksweise und ihrer Unverblümtheit den Nerv des Zusehers treffen. Andererseits pimpt man jenen traditionellen Kabarettcharakter nicht nur mit zeitgemäßen Thematiken, sondern auch mit einem Drehbuch, dass unterschiedlichste Charaktere und deren Geschichten stimmig vereint.

Anton Horvaths Englisch-Tipp: Im Zweifelsfall immer ein „s“ anhängen: Chardonnays, Bloodsports, Pentshouse, Disneylands

Dass Herr Horvath kein Blatt vor den Mund nimmt und – eben auf seine Art und Weise – nur das ausspricht, was sich wohl viele denken, macht ihn nicht nur volksnah, sondern regelrecht einen von uns. Und ja, selbst wer die Lebenswelt von Herrn Horvath als eine primitive, vielleicht sogar menschenunwürdige bezeichnen will, kann nicht leugnen, dass der Horvath-Saga auch ein wahrer Kern zugrunde liegt, der vielleicht nicht immer schön anzusehen ist, dank unserem Toni aber zumindest Spaß macht. Aus Diskriminierung macht sich der ehrliche GIS-Rebelle jedenfalls nichts: Egal ob „Ausländer“ oder „Woama“, wer saufen kann, ist leiwand. Wer ihm nicht passt, hat die Wahl zwischen Spital und Friedhof. Und weida?

Besonders macht die 3. Staffel für mich als „Fan der ersten Stunde“ aber vor allem die Tatsache, dass man sich sichtlich Mühe gegeben hat, das Format an allen Ecken und Enden auf ein neues Level zu hieven. Nachdem mir die ersten beiden Staffeln nämlich eher als kurzweilige Ausschnitte einer Sozialstudie in Erinnerung blieben, entsteht mit den neuen Episoden der Eindruck eines großen Ganzen – mit Emotionen, handgemachter Action und einem Finale, das seinesgleichen sucht. Aber ich will ja nicht zu viel verraten…

Die Giftler und die Scheisshund aus’m Gsindlbunker

Das neue Domizil am Wamser Platz bietet nicht nur Herrn Horvath Platz, sich zu entfalten (und mit „entfalten“ mein‘ ich, Nachbarn durch’s Gebüsch zu beschimpfen und den halben Hof zu zerlegen), sondern beheimatet auch eine Handvoll weiterer Lebenskünstler – vom selbstgefälligen Möchtegern-Bürgermeister Johann Hirflinger gerne auch als die anderen „Menschen“ bezeichnet. Vom spielsüchtigen Hippie, der immer deppat was zu lachen hat über den „eher stillen“ Valasek bis hin zum Häfnbruada bieten die Charaktere allerhand, um Klischees zu erfüllen, die selbst Herrn Horvath zu viel wären.

Mein persönlicher Liebling neben Christopher Seiler in der Titelrolle ist ohne Wenn und Aber Max Meyr als Erwin Pospischil – vermutlich, weil er mich mit seiner Bärenstatur und seiner liebevollen, gutgläubigen und trotzdem sehr direkten Art und Weise an irgendjemanden erinnert. Darüber hinaus finde ich nicht nur immer mehr Gefallen an der herrlich hartnäckigen, wenn auch zurückhaltenden Reporterrolle, sondern auch am nervigen Nachbar, der einfach überall auftaucht, wo sich sein selbsterkorener Erzfeind (Herr Horvath) herumtreibt. Auch hier ist’s wohl eine Erinnerung an früher – genauer gesagt an Mr. Wilson aus Hör‘ mal, wer da hämmert -, die mich mit dem Ungustl sympathisieren lässt. Ein absolutes Highlight gibt’s übrigens gleich zu Beginn – und zwar Kabarettist Thomas Stipsits als Dorfpfarrer.

All die Charaktere entwickeln sich in Staffel 3 im Höchsttempo und bekommen eigene (Hintergrund-)Geschichten, die sich mit der des Horvath kreuzen. Eine löbliche Entwicklung, die dem Format sichtlich gut tut. Denn auch, wenn es viele nicht für möglich halten, wär’s wohl früher oder später nur logisch, dass Langeweile aufkommt, wenn sich Herr Horvath zum x-ten Mal auf seiner Willhaben-Couch niederlässt, um sich über Gott und die Welt auszulassen. Und bevor es überhaupt dazu kommt, bringen neue Figuren schon jetzt frischen Wind in die Sache, blasen das Szenario auf neue Dimensionen auf und schaffen damit Platz für jede Menge neuer Ideen, bei denen man sich nur auf den Kopf greifen kann.

Trotzdem, einige Figuren machen es mir doch sehr schwer, einen Draht zu ihnen zu bekommen. Während der Wohnwagenvermieter Anzinger für mich als Repräsentant des österreichischen Wesens gilt – und ich glaube wirklich, dass wir als Touristen weltweit genau so rüberkommen -, weiß ich mit Herrn Horst irgendwie gar nichts anzufangen. Ähnliches gilt für unseren Bebo, der aber immer wieder die Lacher auf seiner Seite hat. So oder so, wos sui ma mochn, wenn ma vo Trottln umgebn is?

Anton Horvaths Notfall-Tipp: Wenn akute Gefahr besteht, muasst dreimoi klopfn!

Für die Zukunft von Horvathslos wünsche ich mir allen voran, dass es überhaupt eine gibt. Staffel 3 weckt in mir jedenfalls das Gefühl, dass es jetzt erst so richtig losgeht – und ich hoffe, dass sich das im nächsten Jahr auch in Form einer vierten Staffel bestätigen wird. Doch auch wenn mir die jüngsten neun Episoden aus Anton Horvaths Leben Lachkrämpfe verpasste und mir hier und da sogar Tränen in die Augen trieb, ist es nun mal wie mit jeder Komödie – nicht ein jeder Gag zündet. Und das ist auch nicht weiter schlimm. So wie Herr Horvath mal eine Pause braucht, um auf neue Erkenntnisse zu stoßen, die ihn zur Weißglut treiben, muss auch das Zwerchfell seines Publikums mal zur Ruhe kommen. Dennoch hoffe ich, dass Horvathslos seinem Zuseher in Zukunft etwas mehr zutraut und im Ansatz gute Wuchtln nicht mehr verschenkt, in dem er sie dem Publikum „vorkaut“ – gewisse Witze zünden nämlich erst, wenn man sich auch selbst mal kurz Gedanken über sie machen muss.

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Perfektes Sozialbau-Gimmick, vor allem als Fliesentisch-Deko geeignet: „Horvathslos – Staffel 3“

A super Scheibn…

Seiler und Speer geben sich sichtlich Mühe, ihre Fans glücklich zu machen. Gut, dass man für die DVD-Veröffentlichung auf eine 08/15-Plastikhülle scheißt, dürft‘ dem Ottonormal-Seher ebenso wurscht sein wie Herrn Horvath seine Sozialarbeiterin. Ich als Sammler find’s allerdings löblich und wirklich nett anzuschauen – nicht nur auch aufgrund des herrlichen Artworks, sondern ganz besonders, weil Seiler und Speer die Exemplare sämtlicher Vorbesteller auch noch höchstpersönlich signieren. Ich mein‘, wer macht des schon?!

Darüber hinaus gibt’s auf den beiden Scheiben nicht nur alle neun Episoden der 3. Staffel Horvathslos zu sehen, sondern auch noch Bonusmaterial – und das ist mindestens so lustig, deppat und unterhaltsam wie das Format selbst. Der Blick hinter die Kulissen ist voller Hoppalas sowie skurriler und interessanter Interviews, die einen tollen Einblick in die aufwändige Produktion der 3. Staffel bieten. Und was man außerdem unbedingt gesehen haben sollte: Christopher Seiler als Klaus Kinski.

Warum Herr Horvath Frau und Kind wie seine Pflanzen pflegt, wie groß sein Vermögen laut Forbes Magazine ist und mit welcher Geschäftsidee der Junggeselle die Urinstinkte des Österreichers ansprechen will – Staffel 3 steht Rede und Antwort. Außerdem gehen wir dem Heislpapier-Verbrauch von Herrn Pospischil auf die Spur, werden Zeuge der beschissensten Grillparty Österreichs und fragen uns: Ist es schlimmer, auf der Straße oder mit einem Bein im Grab zu stehen? Oder vielleicht doch am Wamser Platz? Eh wurscht.

Staffel 3 ist ab 24.11.2016 erhältlich – Hier bestellen

 

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