„Findet Dorie“ – Unvergesslich oder zum Vergessen?

KRITIK | 13 Jahre ließ sich Walt Disney Zeit, um die Geschichte von Dorie, Nemo & Co neu aufzuwärmen. Ob die Fortsetzung nun aus der Not von Hollywoods Ideenmangel heraus entstanden ist oder nicht – der Film macht Spaß. Es gab jedenfalls schon schlechtere Fortsetzungen aus dem Hause Disney, so viel steht fest…

KRITIK

13 Jahre lang mussten wir warten, bis einer der schönsten Animationsfilme endlich seine langersehnte Fortsetzung bekam. Gut, damals war ich noch in einem Alter, in dem ich immer „mehr“ von dem wollte, was mir gefallen hat. Einen guten Film also für sich allein stehen zu lassen, lag damals noch weit hinter meinem Horizont. Heute sieht das Ganze anders aus, weniger gefreut hab‘ ich mich auf die Rückkehr von Dorie, Nemo und Marlin deswegen aber nicht. Und während ich mir immer wieder einrede, den Film bloß nicht mit  Findet Nemo, der mittlerweile so etwas wie ein moderner Klassiker ist, zu vergleichen, plagten mich dennoch Zweifel, der Film könne seinem Vorgänger ohnehin nicht gerecht werden. Vielleicht war es letzten Endes aber auch gerade jene Skepsis, die ich gebraucht hab‘, um mit Findet Dorie eine der besseren Fortsetzungen zu erkennen, die sich Walt Disney in den letzten Jahren hat einfallen lassen.

Gut, die Disney-interne Konkurrenz ist dabei nahezu ausnahmslos zum Vergessen – genau richtig also für die Paletten-Doktorfisch-Dame. Die Monster Uni blieb mir ebenso wenig im Gedächtnis wie der unglaublich belanglose, fast schon seelenlose Cars 2. Einzig die Toy Story-Saga konnte sich über einen längeren Zeitraum behaupten. Und wie steht es nun um die Dorie & Co? Die sind immer noch charmant wie eh und je und entführen uns einmal mehr in ein spannendes Abenteuer, das man sich ruhig auch ein zweites oder drittes Mal ansehen kann.

Upcycling á la Walt Disney

Es wäre ein Leichtes, jene Ideen, die Findet Nemo damals so besonders machten, wiederzuverwerten und drum herum mal eben eine mehr oder weniger neue Geschichte zu inszenieren, mit der die Kassen zum Klingeln gebracht werden. Was dabei herauskommt, zeigte u.a. Cars 2, der ganz einfach nur wie ein billiger Aufguss seines Vorgängers wirkte und, für sich betrachtet, einfach keinerlei Daseinsberechtigung mitbringt. Wie eine ausgewogene Mischung aus neuen Ideen und bereits vorhandenen Elementen auszusehen hat, zeigt hingegen Findet Dorie.

Der Film beschäftigt sich sowohl mit der Vergangenheit der Hauptfiguren als auch mit ihrer Zukunft und klärt damit potentielle Fragen, die sich der eine oder andere vielleicht schon nach Findet Nemo stellte. Dabei setzt man immer wieder auf Anleihen aus Teil 1, die geschickt als Sprungbrett für noch nicht Dagewesenes eingesetzt werden. Altbekannte Nebencharaktere kehren lediglich in Form kleiner Cameos zurück und machen Platz für neue Gesichter, die mindestens genauso schräg, skurril und liebenswert sind wie ihre Vorgänger.

Findet Dorie wirkt tatsächlich so, als wäre die Schnitzeljagd auf hoher See schon immer als Mehrteiler geplant gewesen. Dass Findet Nemo tatsächlich vor zahlreichen Hinweisen strotzt, die auf eine Fortsetzung ausgelegt sind (oder sein könnten), wird einem erst jetzt bewusst, 13 Jahre später – mit der Auflösung vermeintlicher Rätsel, die nun aufgelöst werden und letzten Endes Sinn ergeben. Und wenn ein Sequel gerade heutzutage sowohl eine eigene Geschichte erzählt als auch eine bereits erzählte gekonnt ergänzt, dann ist man den meisten Fortsetzungen schon mal einen großen Schritt voraus.

Zamgfasst

Findet Dorie wahrt alte Traditionen und strotzt gleichzeitig vor jeder Menge Energie – mit liebenswerten Charakteren, einer wunderschönen Geschichte und einer ebenso aufregenden wie witzigen Odyssee, die selbst über den schier unendlichen Ozean hinausgeht. Ist der Film genauso gut wie sein Vorgänger? Vermutlich nicht. Dennoch bleibt Findet Dorie als wunderschöne Fortsetzung in Erinnerung, die Altes gekonnt mit Neuem vereint.

Verschroben wie die zerrupfte Seetaucher-Dame Becky, zuckersüß wie die heranwachsende Dorie und warmherzig wie der griesgrämige Septopus Hank – Findet Dorie ist stellenweise eindimensionales, vor allem aber klassisches, unschuldiges Disney-Kino für Groß und Klein.

7,5/10

Darum geht’s: Die blaue Paletten-Doktorfisch-Dame ohne Kurzzeitgedächtnis lebt inzwischen glücklich und zufrieden mit Nemo und Marlin im Korallenriff, als sie einen Geistesblitz hat: Irgendwo da draußen müsste doch ihre Familie sein, die vielleicht längst nach ihr sucht. Und so startet Dorie mit Marlin und Nemo in das größte Abenteuer ihres Lebens, das sie durch den Ozean bis zum berühmten Meeresbiologischen Institut in Kalifornien führt.

Bei der Suche nach ihren Eltern bekommt Dorie Unterstützung von den schillerndsten Persönlichkeiten des Instituts: Da ist der mürrische Oktopus (beziehungsweise Septopus) Hank, der nur noch sieben Tentakel hat, den Wärtern aber dennoch regelmäßig durchs Netz geht. Beluga Bailey glaubt, dass sein Echolot kaputt ist, und Walhai Destiny entpuppt sich als extrem kurzsichtig. Trotz gewisser Handicaps wachsen Dorie und ihre Freunde bei diesem witzigen Abenteuer über sich hinaus und entdecken die magische Kraft von Freundschaft und Familie.

Des gibt’s zum wissn:

#1: Die Produktionskosten des Films betrugen stolze $200 Mio.

#2: Mit einem Einspielergebnis von $1,024 Mrd. ist Findet Dorie derzeit der vierterfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten – nach Die EisköniginMinions und Toy Story 3.

#3: Der erste Teil aus dem Jahr 2003, Findet Nemo, spielte $940 Mio. ein.

#4: Die langersehnte Ankündigung der Fortsetzung übernahm Ellen DeGeneres in ihrer Talkshow. Sie leiht im englischen Original übrigens Dorie ihre Stimme.

#5: Ursprünglich sollte der Film in einem Aquapark spielen. Nachdem man bei Pixar allerdings die Dokumentation Der Killerwal gesehen hatte, änderte man den Schauplatz kurzerhand in ein meeresbiologisches Institut.

#6: Findet Dorie sollte eigentlich schon Ende 2015 in die Kinos kommen, wurde allerdings nach hinten verschoben, nachdem Arlo & Spot auf den ursprünglichen Kinostart des Films verlegt wurde.

#7: Findet Dorie ist der insgesamt 17. Animationsfilm von Pixar.

#8: A113: Jene Bezeichnung kommt, wie in jedem Pixar-Film, auch in Findet Dorie vor und spielt auf den Seminarraum des California Institute of the Art an, in dem Animateure ihr Handwerk lernen.

Achtung, Spoiler!

#9: Der Tintenfisch Hank hat nur sieben Tentakel, weil die Zeichner bei ihrem Entwurf keinen Platz für einen achten Arm hatten. Hanks Geschichte wurde daraufhin umgeschrieben.

#10: Im Quarantänebereich hängt ein Bild von Darla – jenem kleinen Mädchen, dass mit ihren Zahnarztbesuchen in Findet Nemo den Aquarium-Bewohnern stets das Fürchten lehrte.

#11: Der Pizza Planet Truck, der einst zum ersten Mal in Toy Story auftauchte, kommt auch in Findet Dorie vor.

#12: Vor dem Hauptfilm zeigte Walt Disney im Kino standesgemäß einen Kurzfilm: Piper.

#13: Wer bis nach dem Absann sitzen bleibt, kommt in den Genuss einer kleinen Post-Credit-Scene, in der u.a. Charaktere aus Findet Nemo zurückkehren.

Wenn da Findet Dorie taugt, dann vielleicht a…

Findet Nemo, eh klar. Es ist natürlich keine Grundvoraussetzung, den ersten Teil gesehen zu haben. Trotzdem macht Findet Dorie wohl noch ein bissl mehr Spaß, wenn man auch über die Anspielungen auf die Vorgeschichte lachen kann. Außerdem ist Findet Nemo ganz einfach einer der schönsten Animationsfilme überhaupt. Also, anschauen!

Wer außerdem eine Schwäche für Fische hat – egal ob gezeichnet oder animiert -, dürfte mit Arielle – Die Meerjungfrau, der irgendwie nie zu meinen Disney-Lieblingen zählte, oder Große Haie – Kleine Fische, den ich lediglich „nett“ fand, seinen Spaß haben. Auch sehenswert, wenn auch ein wenig schrill, ist der teil-animierte Der erstaunliche Mr. Limpet aus dem Jahr 1964.

Grundsätzlich würde ich es mir an dieser Stelle denkbar einfach machen und eine Empfehlung für sämtliche Disney-Filme aussprechen. Leider ist aber weiß Gott nicht mehr immer Disney drin, wo Disney draufsteht. Aus den letzten Jahren würde ich deswegen vor allem Die EisköniginBaymax und Ralph reicht’s empfehlen. Auch Zoomania und Alles steht Kopf brachten das gewisse Etwas mit, das man sich von einem Disney-Film erwarten kann.

DVD/Blu-ray

Findet Dorie hat uns erst mit gehöriger Verspätung erreicht, denn in vielen Teilen der Welt gab’s den Film bereits über den Sommer zu sehen. Während der Film hierzulande noch im Kino läuft, gibt es ihn deswegen anderorts – etwa in den USA oder Spanien – bereits für zuhause. Hierzulande erscheint der Film voraussichtlich am 26. Februar 2017 im Handel – als DVD, Blu-ray sowie 3D Blu-ray.

Spoiler Buff

Gerade zu Beginn häufen sich die Parallelen zu Findet Nemo, möglicherweise um einen flüssigen Übergang zur Fortsetzung herzustellen – immerhin hat die ja eine Weile auf sich warten lassen. Wenn der singende Herr Rochen aber von seinen Schülern begleitet wird, Dorie sich wieder mal an etwas nicht erinnern kann und man sich einmal mehr der Schlucht nähert – und zwar nicht um die Aussicht zu genießen, sondern um verloren zu gehen -, kann man schon mal befürchten, der Film würde genauso wie sein Vorgänger ablaufen. Weit gefehlt, denn hat der „Dude“ seine alten Kumpels erst einmal aus dem Strom geworfen, betreten nicht nur Dorie & Co Neuland, sondern auch ihr Publikum.

Man schließt Bekanntschaft mit neuen Charakteren wie dem zwielichtigen Hank, dessen weicher Kern erst später zum Vorschein kommt, der zerzausten aber gar nicht so dummen Becky oder der kurzsichtigen Destiny. Sie alle bringen nicht nur verschrobene Charakterzüge mit, sondern entwickeln sich während des Films auch ganz entscheidend. Zudem kommt ihnen zusätzlich Bedeutung zu, die sogar bis vor Findet Nemo zurückgeht und beispielsweise Dories Walisch-Kenntnisse erklärt. Weitere Nebenfiguren wie etwa der Echolot-gestörte Bailey oder die bayrischen Seelöwen, die auch in der Post-Credit-Scene zu sehen sind, brennen sich ebenfalls ins Gedächtnis ein.

Egal ob es Dorie quer durch den Ozean, in das meeresbiologische Institut oder einen Lieferwagen verschlägt – sie ist immer auf Achse und verleiht dem Film ungemeinen Drive. So wirkt das Szenario nie in die Länge gezogen und macht ganz einfach unbekümmert Spaß, sodass einen nicht einmal das vorhersehbare „Ende gut, alles gut“-Finale sauer aufstoßen könnte.

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