„Die wahren Memoiren eines internationalen Killers“: Der King of Queens haut auf die Kacke

KRITIK | Kevin James‘ Filme sind für mich das, was „Sharknado“ für andere ist. Hirnrissig, peinlich und zum Fremdschämen. Warum ich seinen neuen Film trotzdem gesehen hab‘? Ich hab‘ ehrlich gesagt keine Ahnung. Ist aber auch egal. Die wahren Memoiren eines internationalen Killers zählt immerhin zum Besten, was der „King of Queens“ seit dem Ende der Kultserie abgeliefert hat – nur das zählt.

KRITIK

Ja, ich hab’s getan. Ich hab‘ mir einen Film von Kevin James angesehen, wohlwissend, dass der „King of Queens“ mich seit dem Ende der Serie nie wieder so gut unterhalten würde. Filme wie KindsköpfeDer Kaufhaus-Cop oder Der Zoowärter fand ich nicht nur unlustig, sondern regelrecht zum Genieren. Zu sagen, James wäre mein ganz persönliches Kryptonit, wäre allerdings zu viel des Guten – immerhin gibt’s da noch Adam Sandler, der seinem New Yorker Kumpel immer einen Schritt voraus ist, wenn es darum geht, die Latte noch ein wenig tiefer zu legen. Vielleicht war es auch gerade dieser Vergleich, der mich beim abendlichen Stöbern durch die Netflix-Neuheiten auf Play drücken ließ, als der Cursor Die wahren Memoiren eines internationalen Killers anvisierte. Ich hatte noch nie von dem Film gehört, gerade keine Lust auf Nachdenk-Kino und erwarte von einem Kevin James-Film ohnehin nicht allzu viel. Was hab ich also schon zu verlieren, außer eineinhalb Stunden meines Lebens?

Spontan hab‘ ich mich also dazu entschlossen, gar nicht erst anhand des Trailers zu entscheiden, ob ich dem Film eine Chance geben sollte und mich blind in ein weiteres von Netflix produziertes Abenteuer gestürzt. Und immerhin konnte mich der Streaming-Dienst schon mit so mancher Eigenproduktion überzeugen (Stranger ThingsDaredevilHouse of Cards). Während Sandler seine humoristische Talfahrt mit The Ridiculous 6 aber weiter fortsetzte, gibt’s für den sympathischsten UPS-Fahrer der Serien-Geschichte aber irgendwie noch immer ein letztes Überbleibsel an Hoffnung… das hab‘ ich mir zumindest eingeredet.

Slapchat, Starbucks-Hipster und das nächste Twilight

Kevin James bringt’s auf den Punkt. Der Zuseher soll sich gar nicht erst fragen, was nun mit diesem oder jenem gemeint ist oder sich gar Gedanken über einen tieferen Sinn eines Dialogs machen. Es ist vielmehr die Vorschlaghammer-Taktik, mit der das Hirn-aus-Publikum bedient werden will – und das soll es auch bekommen. Dementsprechend wenig wagt man auch mit Die wahren Memoiren eines internationalen Killers, der vor allem mit oberflächlichem Witz kurzweilig belustigen soll. Das ist auch völlig legitim, denn jeder ist doch mal in der Stimmung für einen Film, der einem nichts abverlangt, kurzzeitig in eine Welt entführt, die nach Schema F funktioniert und einem ohne große Überraschungen unbekümmerte Unterhaltung beschert.

„Ich bin allergisch auf den Tod!“

Inhaltlich verlässt der Streifen nie das vertraute Terrain eines Kevin James-Streifen, was letzten Endes nichts anderes heißt, als dass einem plumpe Klischees um die Ohren fliegen, als gäb’s kein morgen. Der amerikanische Everyday Guy wird zum Superagenten, legt sich mit Schurken an, die, wie könnte es auch anders sein, entweder aus Russland oder Mittel- und Südamerika kommen (und in jedem Fall am Akzent auszumachen sind!) und schließt nebenbei auch noch Bekanntschaft mit einer bildhübschen Femme Fatale, die ihm den Kopf verdreht. Lässt man den Film aber einfach nur mal Film sein, rücken all die kleinen und großen Problemchen des kurzweiligen Agenten-Abenteuers in den Hintergrund und machen Platz für eine Handvoll pfiffiger Ideen, mit der das Genre selbstironisch aufs Korn genommen wird. Darüber hinaus verlässt man sich auf angesagte Trends, die – ob man sie nun mitmacht oder verabscheut – nun einmal jeder kennt. Und ob ihr’s glaubt oder nicht, aber diese auf die breite Masse zugeschnittenen Gags zündeten bei mir überraschend gut. Nicht oft und weiß Gott nicht immer, dennoch spürte ich nie das Verlangen danach, die Augen über- oder den Film gar abzubrechen. Und damit hat ein Film wie dieser ja fast schon gewonnen…

Auf den Spuren von Jason Bourne?

Gleich zu Beginn haut Kevin James so richtig auf die Kacke. Ja, es erinnerte mich fast ein wenig an Tropic Thunder, der nicht nur eine Wuchtel nach der anderen raushaut, sondern auch ganz schön viel Blut spritzen lässt. Sobald Sam Larson aber beschließt, nicht die Geschichten anderer zu schreiben, sondern seine eigene zu leben, sieht man sich schon bald mit jener Frage konfrontiert, die sich einst schon Jason Bourne stellte: Woher kommen diese Haudrauf-Qualitäten? Egal. Nicht denken. Füße hochlegen und Spaß haben!

„Ich könnte es ihnen verraten, aber dann müsste ich ihnen die Kehle aufschlitzen und sie verbluten lassen.“

Tatsächlich bietet der Film einige Actionszenen, die nicht nur explosiv ausfallen, sondern auch verhältnismäßig spektakuläre Nahkampfaufnahmen zu bieten haben. Und wenn sich die Amerikaner und der Rest der Welt gegenseitig die Schädel einschlagen, macht der Film erstaunlich gute Figur. Gut, Kevin James (bzw. sein Stuntman) ist nicht gerade Hollywoods Antwort auf den großartigen Sammo Hung, Spaß macht das Ganze aber trotzdem. Und nur das zählt.

Zamgfasst

„Jungregisseur“ Jeff Wadlow (The FightersKick-Ass 2) liefert mit Die wahren Memoiren eines internationalen Killers sicher nicht seinen besten, aber immerhin einen sehr kurzweiligen Film ab. Wer Netflix nutzt und gerade in der Stimmung für grundsolide Stangenware ist, wird mit Kevin James‘ Agentenkomödie unter der Prämisse des Mainstream-orientierten Hollywood-Kinos grundsolide unterhalten. Schluckt man Klischees und Stereotypen von vorgestern ohne sich großartig drüber aufzuregen, bleibt ein ausgewogener Mix aus erfolgreichen Genrefilmen, der auf seine Art und Weise gut funktioniert.

Die wahren Memoiren eines internationalen Killers wahrt die Grenzen des guten Geschmacks so weit es geht und erreicht den Gipfel der Lächerlichkeit nicht im Minutentakt – und damit hat der Streifen dem typischen Kevin James-Film immerhin schon mal einiges voraus.

5,5/10

Darum geht’s: Als der Verlag seinen Krimi fälschlich als Memoiren veröffentlicht, wird der Schriftstellerneuling in Venezuela in eine tödliche politische Verschwörung hineingezogen. (Netflix)

Des gibt’s zum wissn:

#1: Die Produktionskosten des Films betrugen ca. $40 Mio.

#2: Die wahren Memoiren eines internationalen Killers ist das erste Netflix Original mit Kevin James. Zumindest drei weitere Filme sollen folgen.

#3: Genesis Rodriguez hatte sich bei den Vorbereitungen auf den Film und die Rolle der Rosa Bolivar verletzt. Letzten Endes ging der Part an Zulay Henao.

Wenn da Die wahren Memoiren eines internationalen Killers taugt, dann vielleicht a…

Ein korpulenter Serien-Star, der als Superagent ein Gag-Feuerwerk zündet – das hatten wir doch erst! Ja, Kevin James tritt gewissermaßen in die Fußstapfen von Melissa McCarthy, die mit Spy eine der größten Überraschungen 2015 ablieferte. Eine herrlich einfallsreiche und waghalsige Agentenkomödie, die sich etwas mehr (zu)traut. Mit seiner beschwingten Art sowie ausgewählten Settings erinnert mich der Film außerdem an Welcome to the Jungle mit Dwayne Johnson und ja, selbst Parallelen zu Triple X könnte man hier und da feststellen. Wer außerdem einen Comedy-Darsteller als Killer erleben möchte, bekommt in Kill Me Three Times nicht nur einen etwas anderen Simon Pegg, sondern eine ähnlich verzwickte Story vorgesetzt.

Was außerdem immer geht, sind Spoof-Filme wie Agent Null Null Nix mit Bill Murray, Stephen Chows Liebesgrüße aus Peking oder auch Johnny English mit Mr. Bean-Darsteller Rowan Atkinson.

DVD/Blu-ray

Der Film ist seit 11. November 2016 auf Netflix verfügbar. Details zu einer Heimkino-Auswertung sind derzeit (Stand 15.08.2016) nicht bekannt.

Spoiler Buff

Besonders angetan hat es mir die erste Hälfte des Films. Hier beginnt der Film zwar schon, die große Klischee-Keule zu schwingen, reichert das Ganze aber noch mit jeder Menge netter kleiner Ideen an. Da ist zum einen die frech inszenierte, gut gemachte und überraschend ruppige Action, zum anderen aber auch die Parallele zwischen der „realen Welt“ und Fiktion. Während Mason Carver (Kevin James) abgestochen oder mit einer Panzerfaust gesprengt wird, überlegt Sam Larson – ebenfalls Kevin James, der dieselbe Szene gerade schreibt -, mit welchem Spruch er dem Szenario den letzten Feinschliff geben könnte. Der bewusst selbstironische Umgang mit der Materie bricht die Barriere zwischen Film und Publikum gleich zu Beginn und macht fortan vieles einfacher. Eine überspitzte Darlegung moderner Medien in Form seines Online-Verlags sowie wunderschöne Superagentin, die ihm zur Seite steht, sind dank der augenzwinkernden Inszenierung nicht bloß plumpe Klischees, sondern zumindest stückweise auch eine liebevolle Demontage derselben. Vorausgesetzt natürlich, man versteht den Wink mit dem Zaunfahl, den der Film einem ohnehin offensichtlich immer wieder vor die Nase hält. Übrigens ganz im Gegensatz zu Fäkalhumor, der in derartigen Komödien immer wieder bis aufs Äußerste (und darüber hinaus) ausgereizt wird und in Die wahren Memoiren eines internationalen Killers keine Bühne bekommt. Gut so. Sollen sich Adam Sandler und Seth MacFarlane damit blamieren.

Übrigens, im Budget von satten $40 Mio. US-Dollar (unbegreiflich viel für eine derartige Produktion) waren auch einige höhere Schauspielergagen. Neben Kevin James holte man u.a. auch Andy Garcia sowie Sons of Anarchy-Star Kim Coates an Bord. Ebenfalls mit von der Partie sind P.J. Byrne (The Wolf of Wall Street) und Andrew Howard (Ohne Limit) – natürlich in für sie ganz typischen Rollen. Denn auch bei der Besatzung gilt: Risikominimierung. Ja nichts versuchen, was es noch nicht gab.

Ein nettes Detail am Rande ist zudem der Multi-Kulti-Soundtrack, der dem Film gewissermaßen „sprachlich angepasst“ wurde und mit fremdsprachigen Versionen von In the Air Tonight, Your Love oder Shake it off in Erinnerung bleibt.

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